Acht Stunden Bildschirm bei der Arbeit, abends das Telefon, dazwischen trockene Heizungsluft: Viele kennen das Gefühl müder, brennender, trockener Augen am Ende des Tages. Das Ayurveda hat den Augen schon vor zweitausend Jahren besondere Aufmerksamkeit geschenkt — eines seiner acht Fachgebiete, śālākya tantra, befasst sich mit Kopf, Augen, Ohren, Nase und Mund. Diese Seite verbindet, was die Tradition für die Augen im Alltag empfiehlt, mit dem, was die Augenheilkunde heute über Bildschirmarbeit weiss.
Was der Bildschirm mit den Augen macht
Das menschliche Auge ist für den Wechsel gebaut: in die Ferne schauen, dann nah, dann wieder fern, unter Tageslicht. Am Bildschirm schaut es stundenlang auf dieselbe Entfernung von einem halben Meter, und es blinzelt dabei deutlich seltener — Messungen zeigen, dass die Blinzelrate bei konzentrierter Bildschirmarbeit auf die Hälfte oder weniger sinkt. Der Tränenfilm reisst schneller auf, die Augenoberfläche trocknet aus, die Muskeln, die die Linse scharf stellen, bleiben dauernd angespannt. Die Augenheilkunde fasst die Folgen — Brennen, Trockenheit, verschwommenes Sehen, Kopf- und Nackenschmerzen — als «digitale Augenbelastung» zusammen. Sie ist lästig, aber meist harmlos und lässt sich mit einfachen Gewohnheiten mindern.
Das Auge im Ayurveda
Das Ayurveda ordnet das Sehen dem Feuer und damit dem Pitta zu. Der Teil des Pitta, der im Auge sitzt und das Sehen ermöglicht, heisst ālocaka pitta, «das Pitta, das schauen lässt». Nach dieser Auffassung belasten Hitze, grelles Licht, Ärger, scharfes Essen und Alkohol die Augen über das Pitta; Wind, Trockenheit, Schlafmangel und Überanstrengung über das Vata; Schwere, zu viel Schlaf am Tag und schweres Essen über das Kapha. Die Klassiker nennen ausserdem Gewohnheiten, die als «augenfreundlich» (cakṣuṣya) gelten: die Fussmassage mit Öl, das Waschen der Augen mit kühlem Wasser am Morgen, Ghee in der Nahrung und als bekanntestes Pflanzenmittel Triphala, die Dreifrucht aus Amalaki, Haritaki und Bibhitaki. Auch Süssholz trägt in den alten Pflanzenbüchern das Beiwort cakṣuṣya. Das ist die Ordnung der Tradition, kein klinischer Befund.
Sechs Gewohnheiten für den Bildschirmtag
1. Die 20-20-20-Regel. Alle zwanzig Minuten für zwanzig Sekunden etwa sechs Meter weit schauen — aus dem Fenster, ans andere Ende des Büros. Die Regel stammt aus der amerikanischen Augenheilkunde und ist die einfachste Massnahme gegen dauerhaftes Nahsehen.
2. Bewusst blinzeln. Ein paar Mal hintereinander langsam und vollständig blinzeln, die Lider ganz schliessen. Das verteilt den Tränenfilm neu.
3. Palmieren. Die Handflächen aneinander reiben, bis sie warm sind, dann über die geschlossenen Augen legen, ohne auf die Augäpfel zu drücken. Eine Minute in die Dunkelheit schauen und ruhig atmen. Die Übung stammt aus der Sehschule des frühen 20. Jahrhunderts und wird heute auch im Yoga gelehrt.
4. Augen bewegen. Den Kopf ruhig halten und die Augen langsam nach oben, unten, links und rechts wandern lassen, dann langsam im Kreis, in beide Richtungen. Danach kurz schliessen.
5. Kühles Wasser und Rosenwasser. Am Morgen und nach der Arbeit die geschlossenen Augen mit kühlem Wasser benetzen — die Klassiker empfehlen es täglich. Am Abend zwei Wattepads mit Rosenwasser tränken (Lebensmittel- oder Kosmetikqualität, ohne Zusätze), zehn Minuten auf die geschlossenen Augen legen. Rosenwasser gehört nicht ins Auge; wer empfindlich reagiert, nimmt nur kühles Wasser.
6. Den Arbeitsplatz einrichten. Bildschirm eine Armlänge entfernt und leicht unter Augenhöhe, keine Spiegelungen, Raum nicht zu trocken, regelmässig lüften. Wer eine Brille hat, prüft, ob sie für die Bildschirmdistanz passt.
Sonne und Licht
Ebenso wichtig wie die Pausen am Bildschirm ist der Schutz draussen. UV-Strahlung schädigt die Augen auf Dauer, besonders in den Bergen, auf dem Wasser und im Schnee. Eine Sonnenbrille mit vollem UV-Schutz (Kennzeichnung UV400 oder CE mit Filterkategorie) gehört in der Schweiz zur Grundausstattung. Umgekehrt tut Tageslicht den Augen gut; Studien bei Kindern zeigen, dass Zeit im Freien das Risiko für Kurzsichtigkeit senkt.
Essen für die Augen
Für die Ernährungswissenschaft sind Vitamin A, Zink und die Pflanzenfarbstoffe Lutein und Zeaxanthin aus grünem Blattgemüse, Eigelb und farbigem Gemüse die wichtigsten Nährstoffe für die Augen. Das Ayurveda kommt auf anderem Weg zu ähnlichen Speisen: grünes Gemüse, Karotten, Ghee, Mandeln, süsse Früchte, wenig Scharfes. Wer sich abwechslungsreich ernährt, braucht in der Regel keine Ergänzung. Wer dennoch eine möchte, findet etwa EYEcare, eine Rezeptur aus Triphala, Amalaki-Extrakt und Süssholz mit Zink. Für das Zink gilt die zugelassene Angabe: Zink trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei. Für die Pflanzen gibt es keine zugelassene Gesundheitsaussage; was die Tradition ihnen zuschreibt, ist Überlieferung.
Was die Tradition sonst noch kennt
In ayurvedischen Kliniken gibt es Augenbehandlungen wie netra tarpaṇa, bei dem ein Teigring um die Augen gelegt und mit warmem, medizinischem Ghee gefüllt wird. Solche Anwendungen gehören in die Hand von ausgebildeten Fachleuten und sind nichts für zu Hause. Augentropfen aus selbst gemachten Kräuterauszügen, Ghee oder Honig sollte man nie verwenden: Sie sind nicht steril und können schwere Infektionen verursachen.
Was man nicht erwarten sollte
Die Gewohnheiten auf dieser Seite machen Bildschirmtage angenehmer; sie verbessern keine Sehschwäche und behandeln keine Augenkrankheit. Plötzliches Verschwommensehen, Doppelbilder, Lichtblitze, ein Schatten im Gesichtsfeld, starke Schmerzen, ein rotes Auge mit Sehverschlechterung oder anhaltende Trockenheit gehören rasch zur Augenärztin oder zum Augenarzt. Ab etwa vierzig Jahren ist eine regelmässige augenärztliche Kontrolle sinnvoll, auch ohne Beschwerden.
Zum Weiterlesen
Die Fussmassage, die die Klassiker auch für die Augen empfehlen, beschreibt Abhyanga — die Ölmassage; die Pflanzen hinter Triphala die Porträts Triphala und Amalaki. Dieser Artikel greift Anregungen aus dem Beitrag «Augengesundheit im Alltag» von Amla Natur auf, mit deren freundlicher Genehmigung.