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Pflanze · Anulomana · Dīpana · Gewürz · Verdauung

Asant (Hingu)

hiṅgu; rāmaṭha, bāhlīka («aus Balch»), sahasravedhī («der Tausend durchdringt»), jatuka · Ferula assa-foetida L., Ferula narthex Boiss., Ferula foetida (Bunge) Regel · Apiaceae (Doldenblütler)
Hing, Heeng (Hindi), Asafoetida, Asafetida, Devil's Dung (Englisch), Stinkasant, Teufelsdreck, Stinkendes Steckenkraut, Perungayam (Tamil), Kayam (Malayalam), Handel: «Compounded Asafoetida» = mit Mehl/Gummi gestreckt

Asant ist hiṅgu, der «Teufelsdreck» — das knoblauchartig riechende Harz aus den Steppen Irans, scharf, durchdringend und heiss, das schärfste Vata-Mittel der Küche gegen Kolik und Blähung, in Ghee angebraten eine Messerspitze über dem Dal. Was die Tradition sagt, was das Labor zeigt, und warum Schwangere, Kinder und Pitta-Typen die Finger davon lassen.

Zuletzt überprüft: 5. Oktober 2026 · abgeglichen mit API, Anliker, Schrott-Lexikon, Zoller/Nordwig, Schrott/Ammon, Herbal Reality, Hegde/Harini

Asant (Hingu)
Tafel «Ferula assa-foetida» aus Hermann Adolph Köhler, Köhlers Medizinal-Pflanzen, Gera-Untermhaus 1887. Gemeinfrei, über Wikimedia Commons; für Vedika monochrom in Waldgrün auf Cream dargestellt.

Traditionelle Verwendung

Asant ist hiṅgu — das Gummiharz aus Wurzel und Wurzelstock mehrerer Ferula-Arten (Ferula assa-foetida, Ferula narthex, Ferula foetida), riesiger Doldenblütler bis 4 m Höhe aus den Steppen Irans und Afghanistans, die man im Frühjahr an der Wurzel anschneidet und deren ausfliessenden Milchsaft man über Wochen zu braunen, knoblauchartig stinkenden Klumpen erhärten lässt. Die Ayurvedic Pharmacopoeia of India beschreibt Hiṅgu in Vol. I (Monographie 32) als dieses Oleo-Gummiharz — «von Pflanzen, die älter als fünf Jahre sind» — mit ätherischem Öl, Gummi und Harz; das Öl besteht aus Schwefelverbindungen (Disulfiden), die den Geruch tragen, das Harz aus Ferulasäureestern und Sesquiterpen-Cumarinen. Die Sanskrit-Namen rāmaṭha und bāhlīka (nach Balch) verraten die Herkunft aus dem Nordwesten; im Deutschen heisst die Droge Stinkasant oder «Teufelsdreck», im Englischen devil’s dung — und food of the gods. In der indischen Küche ist Asant das Gewürz, das Knoblauch und Zwiebel ersetzt: eine Messerspitze, in Ghee angebraten, über Dal und Hülsenfrüchte.

Was die Tradition sagt

Asant schmeckt scharf (kaṭu), ist durchdringend (tīkṣṇa), erhitzend (uṣṇa) und hat scharfen vipāka — das schärfste Vata-Mittel der Küche, Vata und Kapha senkend, Pitta mehrend. Sein Karma nach der Pharmakopöe: anulomana (den Vata-Fluss nach unten regulierend), dīpana (das Verdauungsfeuer anfachend), hṛdya (dem Herzen zuträglich), kṛmighna (gegen Würmer), pācana (verdauend), rucya (appetitanregend) und vātakaphapraśamana. Die Anwendungsfelder heissen śūlaroga (Kolik, stechender Schmerz), ādhmāna (Blähung), gulma (Bauchgeschwulst), hṛdroga (Herzleiden), kṛmiroga (Wurmleiden), udararoga (Bauchleiden), agnimāndya (schwaches Verdauungsfeuer) und ānāha (Auftreibung). Dosis 125 bis 500 mg — eine der kleinsten der Pharmakopöe; klassische Zubereitungen sind Hiṅgvāṣṭaka Cūrṇa (die «Acht mit Asant»: Asant mit Trikatu, Ajowan, Kümmel, Kreuzkümmel und Steinsalz), Hiṅgvādi Cūrṇa und Hiṅguvacādi Cūrṇa. Was diese Begriffe bedeuten und warum sie sich nicht in moderne Diagnosen übersetzen lassen, erklärt der Artikel Wie das Ayurveda Krankheit denkt.

Die Bhāvaprakāśa Nighaṇṭu (Harītakyādi-varga, Verse 100–101) nennt Asant sahasravedhī («der Tausend durchdringt»), jatuka, bāhlīka, hiṅgu und rāmaṭha und fasst zusammen: erhitzend, verdauend, appetitanregend, durchdringend, Vata und Kapha vertreibend; er beseitige śūla, gulma, Bauchleiden, ānāha und Würmer — und mehre Pitta. Bei Caraka ist hiṅgu das Mittel der Wahl gegen Vata im Bauch, Bestandteil zahlloser Rezepturen gegen Kolik und Blähung, und die Tradition kennt die Regel, dass rohes Harz nie verwendet wird: Asant wird immer erst in Ghee oder Öl angebraten (bhṛṣṭa hiṅgu), was den Geruch mildert und die Wirkung «reifen» lässt. Eine Prise genügt; die Küche Gujarats und Südindiens kommt ohne Asant nicht aus. In seiner Liste der vorzüglichsten Drogen (agrya) nennt Caraka das Harz das beste unter den lösenden, das Verdauungsfeuer anfachenden, Vata nach unten führenden und Vata und Kapha besänftigenden Mitteln (chedanīya, dīpanīya, ānulomika, vātakaphapraśamana; Ch. Su. 25/40, nach Hegde und Harini, S. 291).

Was Lehrbuch und Lexikon ergänzen

Sabine Anlikers Lehrbuch für die Höhere Fachprüfung (Kapitel 26) folgt der Pharmakopöe in Steckbrief, Karma und Anwendungsfeldern, gibt als Dosis 125 bis 500 mg zweimal täglich, als Droge das Gummiharz — und als Nebenwirkungen: wegen der Schärfe und Hitze nicht bei Pitta-Zuständen wie Fieber, Übersäuerung, Hautausschlägen und Urtikaria; grössere Dosen stumpfen wegen der tamasischen Natur die Sinne ab; «Blutdrucksenker!»; Kontraindikationen: Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder. Das Heilpflanzen-Lexikon von Dr. Schrott führt Ferula assa-foetida als Spasmolytikum, sandhānīya (nach Caraka) und Augentonikum, tamasisch, mit 41 klassischen Zubereitungen. Schrott und Ammon stellen in ihrem Lehrbuch die Sichten nebeneinander: ayurvedisch das Gummiharz, das «Samāna-Vāta harmonisiert», Krämpfe löst, in geringer Dosis («maximal eine Prise») entbläht, Agni stärkt und «die Darmflora verbessert», dämpfend auf Sinne und Nervensystem, mit dem Hausmittel ¼ TL Pulver auf eine Tasse heisses Wasser; westlich eine Droge, die «in der westlichen Phytotherapie keine Rolle» spielt und nur homöopathisch verwendet wird, mit spasmolytischer Wirkung am Meerschweinchendarm — und der Warnung: nicht bei Pitta-Zuständen und «in der Schwangerschaft nicht geeignet». Zoller und Nordwig geben dasselbe Profil (Pitta mehrend), die Regel «für alle Anwendungen wird Asafoetida zunächst angebraten», die Emulsion 1:30 in heissem Wasser, die Kolikpaste um den Nabel für Säuglinge (oder die stillende Mutter nimmt Asant) und die Nebenwirkung: «nicht für Pitta-Menschen».

Hans H. Rhyner und Birgit Frohn (Heilpflanzen im Ayurveda, 2006): leicht, ölig, spitz und beweglich, scharf und bitter, scharfer vipāka, erhitzend, Kapha und Vata senkend — «für Pitta-Typen weniger geeignet». Präparate: Hingvashtaka Churna und Hingvadi Churna 3 bis 5 g zweimal täglich, Hingvadya Ghrita.

Forschungslage

Asant ist pharmakologisch gut beschrieben und klinisch fast ungeprüft.

Übersichten. Iranshahy und Iranshahi (2011) und Mahendra und Bisht (2012) haben Ethnobotanik, Chemie und Pharmakologie zusammengefasst: Über hundert Sesquiterpen-Cumarine und Schwefelverbindungen sind bekannt; im Labor und im Tierversuch wirken Asant-Extrakte spasmolytisch, blutdrucksenkend, antimikrobiell, gegen Würmer und Schistosomen, antioxidativ und im Zellversuch gegen Tumorzellen. Die spasmolytische Wirkung am isolierten Darm ist die pharmakologische Basis der Kolik- und Blähungsanwendung.

Am Menschen. Kontrollierte Studien fehlen fast ganz; kleine iranische Untersuchungen mit Asant-Zubereitungen bei Reizdarm und Blähungen sind unverblindet. Die Homöopathie führt Asa foetida als Arzneimittel; die Kommission E und die EMA haben Asant nie bewertet.

Was fehlt. Kontrollierte Studien; Daten zu Interaktionen (Blutdruck, Gerinnung) und zur Verfälschung — Handelsware ist oft mit Mehl, Gummi arabicum oder Harzen gestreckt («Compounded Asafoetida»).

Was die Forschung nicht hergibt. Es gibt keine in der Schweiz zugelassene gesundheitsbezogene Aussage für Asant. Dieses Porträt berichtet, was untersucht wurde; es sagt nicht, was ein Produkt tut. Wie man solche Studien liest, erklärt der Artikel Wie man eine Studie liest.

Sicherheit

Asant ist ein scharfes, heisses Harz — die Tradition und die Lehrbücher setzen klare Grenzen.

Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder. Anliker: Kontraindikation für alle drei; Schrott/Ammon: in der Schwangerschaft nicht geeignet. Die Tradition selbst gibt Asant nach der Geburt und stillenden Müttern gegen Säuglingskoliken — hier gehen Lehrbuch und Volksmedizin auseinander; für Präparate in Drogendosis gilt das Lehrbuch. Säuglinge nie direkt (Methämoglobinämie ist beschrieben).

Pitta. Nicht bei Fieber, Übersäuerung, Sodbrennen, Hautausschlägen, Urtikaria (Anliker, Schrott/Ammon, Zoller/Nordwig).

Blutdruck, Gerinnung. Anliker: «Blutdrucksenker!» — unter Blutdruckmedikamenten beachten; Cumarine im Harz können die Gerinnung beeinflussen — unter Blutverdünnern Rücksprache.

Überdosis. Grössere Dosen «stumpfen die Sinne ab» (tamasisch); Magenreizung, Übelkeit, Kopfschmerz, Schwellung der Lippen sind beschrieben. Bei 125 bis 500 mg bleiben — eine Messerspitze.

Roh. Rohes Harz reizt; die Tradition brät es an. Verfälschungen sind häufig; auf reines Harz oder deklarierte Mischungen achten.

Menge. Die Vedika-Präparate enthalten Asant in Gewürzmengen — 3 mg je Tagesdosis (Digest) und als Nebenzutat in AMAcare; die Kontraindikationen gelten für Drogendosen.

Qualität. Gute Ware ist nach Hegde und Harini eine gummi- bis wachsartige Masse in Stücken verschiedener Grösse, aussen glatt, matt oder glasig, hellbraun bis schokoladenfarben; im Bruch wachsig mit vielen Hohlräumen, die oft mit glänzendem Harz gefüllt sind, dünne Splitter durchscheinend, mit starkem Geruch und scharf-bitterem Geschmack. Als Verfälschungen nennen sie Steinchen, Erde, Blätter und Akaziengummi. Im Handel unterscheidet man weissen und schwarzen Asant, und neben Ferula foetida und F. narthex werden weitere Arten wie F. jaeschkeana, F. galbaniflua und F. persica als hiṅgu gehandelt (S. 295–296).

Zubereitung und Formen

Die Pharmakopöe nennt 125 bis 500 mg; die Tradition gibt Asant angebraten in Ghee als Gewürz, als Hiṅgvāṣṭaka Cūrṇa mit dem ersten Bissen, als Emulsion, Zäpfchen, Nasentropfen und Bauchpaste. Im Vedika-Sortiment steht Asant in zwei Verdauungsrezepturen.

In Kapseln von Classic Ayurveda: AMAcare (Asafoetida neben Trikatu, Triphala, Kreuzkümmel, Ajwain und Kalmegh — die Rezeptur für Verdauung und Āma).

In Rezepturen von Maharishi Ayurveda: Digest (3 mg Ferula narthex je Tagesdosis — die Prise Asant in der Gewürztablette vor dem Essen mit Kümmel, Kreuzkümmel, Granatapfel und Trikatu).

Quellen

  • The Ayurvedic Pharmacopoeia of India, Part I, Vol. I, Monographie 32 Hiṅgu (Oleo-Gummiharz), S. 63–65. Ministry of AYUSH. pcimh.gov.in
  • Bhāvaprakāśa Nighaṇṭu, Harītakyādi-varga, Verse 100–101 (Hiṅgu; Nr. 28). Ausgabe Chunekar/Pandey, Chaukhambha Bharati Academy, Varanasi 2002, Buch-S. 40–41 (Teil 1, PDF-S. 29).
  • Anliker, Sabine: Heilpflanzen Ayurveda Medizin. 3. Auflage, Trägerorganisation Ayurveda CH, 2023, ISBN 978-3-033-08908-2, Kapitel 26 Hiṅgu, S. 63–64 — mit Verweis auf API Vol. I, Zoller/Nordwig und Schrott/Ammon.
  • Ayurvedisches Heilpflanzen-Lexikon (Dr. Ernst Schrott, AyurVeda AG): Ferula assa-foetida — Dravyaguna, Karma, 41 Zubereitungen; Ferula narthex.
  • Schrott E, Ammon HPT. Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin. Eine Gegenüberstellung. Springer, Berlin/Heidelberg 2012, Kapitel 9, Ferula assa-foetida, S. 224–225.
  • Zoller A, Nordwig H. Heilpflanzen der Ayurvedischen Medizin. Ein praktisches Handbuch. Haug, Stuttgart 1997 (5. Auflage Narayana 2026) — Ferula assa-foetida.
  • Iranshahy M, Iranshahi M. Traditional uses, phytochemistry and pharmacology of asafoetida (Ferula assa-foetida oleo-gum-resin) — A review. Journal of Ethnopharmacology 2011; 134(1):1–10.
  • Mahendra P, Bisht S. Ferula asafoetida: Traditional uses and pharmacological activity. Pharmacognosy Reviews 2012; 6(12):141–146.
  • Swissmedic: Anhang 9 KPAV (Standardwerke) und Anhang 10 (Liste TAS), Stand 1.7.2023. swissmedic.ch
  • Rhyner HH, Frohn B: Heilpflanzen im Ayurveda. AT Verlag, Baden und München 2006, ISBN 978-3-03800-279-6, Eintrag Hingu, S. 184–186.
  • Golmohammadi F. Traditional knowledge and economic importance of Ferula assa-foetida in the rural areas of southeastern Iran. African Journal of Plant Science 2022; 16: 148–156. academicjournals.org
  • Kumari K, Mittal S, Sharma K, Singh S, Upadhyay J, Acharya V, Kadyan V, Yadav SK, Joshi R. Deep Learning and Machine Learning Modeling Identifies Thidiazuron as a Key Modulator of Somatic Embryogenesis and Shoot Organogenesis in Ferula assa-foetida L. Biology 2025; 14(12): 1703. doi:10.3390/biology14121703
  • Chenariyan-Nekhei M, Sharafatmandrad M, Khosravi Mashizi A. Assessing the impact of medicinal plant (Ferula assa-foetida L.) habitat restoration on sustainable livelihoods and ecosystem health: Implications for sustainable development goals in semi-arid pastoral systems of Iran. Environmental and Sustainability Indicators 2026; 30: 101198. doi:10.1016/j.indic.2026.101198
  • Herbal Reality: Monographie Asafoetida (Ferula asafoetida), zuletzt überprüft 21.07.2020. herbalreality.com
  • Hegde PL, Harini A. A Text Book of Dravyaguna Vijnana, Vol. II (nach dem NCISM-Lehrplan). Chaukhambha Publications, New Delhi 2023, S. 291–297 (Kap. 2.37 Hingu).

Dieses Porträt beschreibt eine Pflanze, nicht ein bestimmtes Produkt. Es ersetzt keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel und behandeln keine Krankheit.

Präparate mit Asant (Hingu)

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