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Pflanze · Dīpana · Śūlahara · Gewürz · Verdauung

Ajowan

yavānī, yavānikā; dīpyaka («der Anzündende»), ugragandhā («die scharf Riechende»), ajamodikā («Freude der Ziegen») · Trachyspermum ammi (L.) Sprague (Syn. Carum copticum Benth. & Hook. f.) · Apiaceae (Doldenblütler)
Ajwain, Ajvayan (Hindi), Bishop's Weed, Ajowan caraway (Englisch), Königskümmel, «Selleriesaat», Indisches Faltenrohr, Omam (Tamil), Oman (Malayalam), Nicht zu verwechseln: Sellerie (Apium graveolens) und Ammi visnaga

Ajowan ist yavānī, «der Anzündende» — das schärfste Verdauungsgewürz des Ayurveda, scharf-bitter, trocken, heiss, Vata und Kapha senkend, Pitta mehrend, mit dem Thymol des Thymians. Was die Tradition sagt, was das Labor zu Thymol und Bronchien zeigt, und warum Männer mit Kinderwunsch sparsam sein sollten.

Zuletzt überprüft: 11. September 2026 · abgeglichen mit API, Anliker, Schrott-Lexikon, Zoller/Nordwig, Schrott/Ammon

Ajowan
Tafel 74 «Ptychotis ajowan» — heute Trachyspermum ammi — aus Otto Carl Berg und Carl Friedrich Schmidt, Atlas der officinellen Pflanzen, 2. Auflage, Band 2, Leipzig 1894–1896. Gemeinfrei, über Wikimedia Commons; für Vedika monochrom in Waldgrün auf Cream dargestellt.

Traditionelle Verwendung

Ajowan ist yavānī — die Früchte von Trachyspermum ammi (früher Carum copticum), einer bis 90 cm hohen, einjährigen Doldenblütlerin mit fein gefiederten Blättern und weissen Doppeldolden, die vom östlichen Mittelmeer bis Indien angebaut wird, in Indien vor allem in Rajasthan, Gujarat und Andhra Pradesh. Die Ayurvedic Pharmacopoeia of India beschreibt Yavānī in Vol. I (Monographie 80): die winzigen, graubraunen, eiförmigen Spaltfrüchte, 2 mm lang, mit fünf hellen Rippen, dem «thymolartigen» Geruch und dem brennend scharfen Geschmack; als Inhaltsstoffe nennt sie ätherisches und fettes Öl — bis 5 % ätherisches Öl, das zur Hälfte aus Thymol besteht, dem Phenol des Thymians. Die Sanskrit-Namen dīpyaka («der Anzündende») und ugragandhā («die scharf Riechende») sagen, was die Pflanze tut; ajamodikā heisst «Freude der Ziegen». Der Handelsname Ajwain, im Deutschen «Königskümmel» oder — irreführend — «Selleriesaat», ist Hindi.

Was die Tradition sagt

Ajowan schmeckt scharf und bitter (kaṭu, tikta), ist trocken, leicht und durchdringend (rūkṣa, laghu, tīkṣṇa), erhitzend (uṣṇa) und hat scharfen vipāka — das schärfste der Verdauungsgewürze, Vata und Kapha senkend, Pitta mehrend. Sein Karma nach der Pharmakopöe: dīpana (das Verdauungsfeuer anfachend), pācana (verdauend), rucya (appetitanregend), anulomana (den Vata-Fluss nach unten regulierend), śūlahara (Schmerz stillend) und kṛmighna (gegen Würmer). Die Anwendungsfelder heissen ādhmāna (Blähung), ānāha (Auftreibung), udararoga (Bauchleiden), gulma (Bauchgeschwulst), kṛmiroga (Wurmleiden) und śūla (Kolik, stechender Schmerz). Dosis 3 bis 6 g Pulver; die klassische Zubereitung ist Yavānī Ṣāḍava, das Ajowan-Konfekt mit Granatapfel und Zucker, dazu Yavānyādi Cūrṇa und das Ajowan-Destillat Yavānī Arka. Was diese Begriffe bedeuten und warum sie sich nicht in moderne Diagnosen übersetzen lassen, erklärt der Artikel Wie das Ayurveda Krankheit denkt.

Die Bhāvaprakāśa Nighaṇṭu (Harītakyādi-varga, Verse 75–77) nennt die Pflanze yavānikā, ugragandhā, brahmadarbhā, ajamodikā, dīpyaka, dīpyā und yavasāhvayā und fasst zusammen: verdauend, appetitanregend, durchdringend, erhitzend, scharf, leicht, das Verdauungsfeuer anfachend, bitter, Pitta mehrend, śukra (Samen) vermindernd und Schmerz stillend; sie vertreibe Vata, Kapha, Bauchleiden, ānāha, gulma, Milzleiden und Würmer — und unterscheidet davon pārasīka yavānī, den «persischen Ajowan» (Bilsenkraut, Hyoscyamus), mit ähnlichen, aber betäubenden Eigenschaften. Der Satz «śukra vermindernd» ist bemerkenswert: Anliker rät heute, Ajowan bei Oligospermie zu meiden. In der Praxis ist Ajowan das Gewürz für Hülsenfrüchte und Fladenbrot, das Blähungen vorbeugt, das Hausmittel mit schwarzem Salz und Zitronensaft bei Bauchschmerzen und der heisse Ajowan-Umschlag auf Brust und Bauch.

Was Lehrbuch und Lexikon ergänzen

Sabine Anlikers Lehrbuch für die Höhere Fachprüfung (Kapitel 80) folgt der Pharmakopöe in Steckbrief, Karma und Anwendungsfeldern, gibt als Dosis 3 bis 6 g Pulver ein- bis dreimal täglich, als Droge Früchte, Samen, Samenöl und Blüten — und als einzige Nebenwirkung: «Es wird empfohlen, bei Oligospermie Ajwain zu meiden»; keine Kontraindikationen. Das Heilpflanzen-Lexikon von Dr. Schrott führt Trachyspermum ammi als «Aromatisches Rasāyana» — Spasmolytikum, Digestivum, Tonikum, Aphrodisiakum, Antihypertensivum, Antihistaminikum, Bronchodilatator, «bakterizid für Helicobacter pylori», sattvisch, mit 80 klassischen Zubereitungen. Schrott und Ammon (Kapitel 10) beschreiben die Früchte als entblähend, krampflösend, mit der «Besonderheit ihrer bronchospasmolytischen und antiallergischen Wirkung», die sie «zu einem bewährten Mittel bei Allergien und Asthma bronchiale» mache, mit den Hausmitteln Ajowan-Dampfbad bei Asthma, gekaute Früchte mit Zucker bei Juckreiz, «Omum-Wasser» (Ajowan-Destillat) als Digestivum, 3 bis 6 g Samen oder 15 bis 30 Tropfen Öl; Nebenwirkungen «werden nicht berichtet». Zoller und Nordwig geben dasselbe Profil (Pitta mehrend), Ajowan als «Spasmolytikum» mit dem Thymol des Thymians, die Rezepte mit Pfeffer, Ingwer und Kardamom bei Darmkolik, den heissen Umschlag bei Asthma und Rheuma, den Aufguss bei Kinderkrankheiten — und aus der westlichen Praxis: 4 g Samen mit einer Prise Steinsalz als Tee bei Blähungen, für stillende Mütter bei Säuglingskoliken, die Samen im Brot bei Laktose- und Weizenunverträglichkeit. Nebenwirkung: nach der Entbindung nur, wenn nicht gestillt wird — «da sie abstillend wirkt».

Forschungslage

Ajowan ist pharmakologisch gut verstanden — wegen des Thymols — und klinisch kaum geprüft.

Thymol. Das ätherische Öl ist zu 35 bis 60 % Thymol, dazu p-Cymen und γ-Terpinen; Thymol ist antiseptisch, spasmolytisch und ein Bestandteil der Thymian-Monographien der EMA. Im Labor wirken Ajowan-Öl und -Extrakte gegen Bakterien und Pilze, auch gegen Helicobacter pylori, und lösen Krämpfe der glatten Muskulatur — die pharmakologische Basis der Verdauungsanwendung.

Atemwege. Die iranische Arbeitsgruppe um Boskabady hat Ajowan in einer Reihe von Tierversuchen und in einer kleinen Studie an Asthmapatienten (2007) untersucht und eine bronchienerweiternde Wirkung des Extrakts gefunden — schwächer als Theophyllin, an wenigen Patienten; die Übersicht von Boskabady et al. (2014) fasst die Befunde zusammen: antihistaminisch, bronchodilatatorisch, antitussiv im Tier.

Verdauung. Für die Kernanwendung — Blähungen, Kolik — gibt es keine kontrollierte Humanstudie; die Erfahrung der Küche und die Spasmolyse im Labor müssen genügen.

Was fehlt. Kontrollierte Studien am Menschen; Daten zu Interaktionen und Langzeitanwendung. Keine EMA- und keine Kommission-E-Monographie für Ajowan (nur für Thymian).

Was die Forschung nicht hergibt. Es gibt keine in der Schweiz zugelassene gesundheitsbezogene Aussage für Ajowan. Dieses Porträt berichtet, was untersucht wurde; es sagt nicht, was ein Produkt tut. Wie man solche Studien liest, erklärt der Artikel Wie man eine Studie liest.

Sicherheit

Ajowan ist ein Gewürz — scharf, heiss und in Küchenmengen unbedenklich; die Vorsicht gilt Pitta, dem Öl und zwei Sonderfällen.

Pitta. Die Tradition ist einig: Ajowan mehrt Pitta. Bei Sodbrennen, Magenschleimhautreizung, Hitzeneigung sparsam; Schrott/Ammon nennen «Ulkuskrankheiten» unter den klassischen śūla-Anwendungen — moderne Vorsicht rät bei Geschwüren zur Zurückhaltung mit scharfen Gewürzen.

Kinderwunsch. Anliker: bei Oligospermie meiden — die Bhāvaprakāśa nennt Ajowan śukrahṛt, das Samenöl ist im Labor spermizid (Schrott/Ammon). Männer mit Kinderwunsch sollten Ajowan-Präparate in Drogendosis weglassen.

Schwangerschaft und Stillzeit. Die Tradition gibt Ajowan im Wochenbett — und nennt ihn abstillend (Zoller/Nordwig); in der Schwangerschaft gilt er als uterusanregend: Präparate in Drogendosis in der Schwangerschaft meiden, Gewürzmengen sind unbedenklich.

Ätherisches Öl. Thymolhaltige Öle reizen Haut und Schleimhäute; das Öl nicht unverdünnt, nicht bei Kindern, nicht innerlich ohne Anleitung.

Allergie. Doldenblütler — Kreuzreaktionen mit Sellerie, Karotte, Beifuss möglich.

Menge. Die Vedika-Präparate enthalten Ajowan in Gewürzmengen — 95 bis 285 mg je Tagesdosis (AyurDefence), als Nebenzutat in AMAcare und AyurFlex — unter der Pharmakopöe-Dosis von 3 bis 6 g.

Zubereitung und Formen

Die Pharmakopöe nennt 3 bis 6 g Pulver; die Tradition gibt Ajowan als Gewürz zu Hülsenfrüchten und Brot, mit schwarzem Salz und Zitrone, als Konfekt Yavānī Ṣāḍava, als Aufguss und als heissen Umschlag. Im Vedika-Sortiment steht Ajowan in drei Präparaten.

In Kapseln von Classic Ayurveda: AMAcare (Ajwain neben Trikatu, Triphala, Asafoetida, Kreuzkümmel und Kalmegh — die Rezeptur für Verdauung und Āma).

In Rezepturen von Maharishi Ayurveda: AyurDefence (95 bzw. 285 mg Trachyspermum ammi, mit Guduchi, Tulsi, Bael und Kreuzkümmel) und AyurFlex (Ajowan als Nebenzutat neben Guggulu, Shilajit und Ingwer).

Quellen

  • The Ayurvedic Pharmacopoeia of India, Part I, Vol. I, Monographie 80 Yavānī (Frucht), S. 218–219. Ministry of AYUSH. pcimh.gov.in
  • Bhāvaprakāśa Nighaṇṭu, Harītakyādi-varga, Verse 75–77 (Yavānī; Nr. 14) und Pārasīka Yavānī (Nr. 18). Ausgabe Chunekar/Pandey, Chaukhambha Bharati Academy, Varanasi 2002, Buch-S. 25–26 (Teil 1, PDF-S. 21).
  • Anliker, Sabine: Heilpflanzen Ayurveda Medizin. 3. Auflage, Trägerorganisation Ayurveda CH, 2023, ISBN 978-3-033-08908-2, Kapitel 80 Yavānī, Ajwain, S. 182–183 — mit Verweis auf API Vol. I, Zoller/Nordwig und Schrott/Ammon.
  • Ayurvedisches Heilpflanzen-Lexikon (Dr. Ernst Schrott, AyurVeda AG): Trachyspermum ammi — Dravyaguna, Karma, 80 Zubereitungen.
  • Schrott E, Ammon HPT. Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin. Eine Gegenüberstellung. Springer, Berlin/Heidelberg 2012, Kapitel 10, Trachyspermum ammi, S. 433–434.
  • Zoller A, Nordwig H. Heilpflanzen der Ayurvedischen Medizin. Ein praktisches Handbuch. Haug, Stuttgart 1997 (5. Auflage Narayana 2026) — Trachyspermum ammi.
  • Boskabady MH, Alitaneh S, Alavinezhad A. Carum copticum L.: A Herbal Medicine with Various Pharmacological Effects. BioMed Research International 2014; 2014:569087.
  • Boskabady MH, et al. Bronchodilatory effect of Carum copticum in airways of asthmatic patients. Thérapie 2007; 62(1):23–29.
  • Boskabady MH, Shaikhi J. Inhibitory effect of Carum copticum on histamine (H1) receptors of isolated guinea-pig tracheal chains. Journal of Ethnopharmacology 2000; 69(3):217–227.
  • Swissmedic: Anhang 9 KPAV (Standardwerke) und Anhang 10 (Liste TAS), Stand 1.7.2023. swissmedic.ch

Dieses Porträt beschreibt eine Pflanze, nicht ein bestimmtes Produkt. Es ersetzt keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel und behandeln keine Krankheit.

Präparate mit Ajowan

Ein Verzeichnis, keine Empfehlung. Was ein Präparat enthält, steht auf seiner Seite unter «Inhalt».