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Pflanze · Caturjāta · Rasāyana-Rezepturen · Blutstiller · Gärhilfe (Āsava/Ariṣṭa)

Nagkesar

nāgakeśara — «Schlangensafran»; nāgapuṣpa, keśara, cāmpeya, kāñcanāhvaya · Mesua ferrea L. · Calophyllaceae (früher Clusiaceae/Guttiferae)
Nagakesara, Nagkesar, Pila Nagkesar (Hindi), Cobra's Saffron, Ironwood, Ceylon Ironwood (Englisch), Nagasbaum, Eisenholzbaum, Eisenholzblüte, Nagappu (Malayalam/Tamil), Nagasampige (Kannada), Nicht zu verwechseln: «schwarzer Nagkesar» (Früchte von Cinnamomum-Arten)

Nagkesar ist nāgakeśara, der «Schlangensafran» — die goldenen Staubblätter des Eisenholzbaums, scharf-bitter-herb, trocken und leicht, Kapha und Pitta senkend, in der Tradition der Blutstiller und das vierte der vier Aromatischen in Chyavanprash und Amrit Kalash. Was die Tradition sagt, wie dünn die Forschung ist, und wo die stopfende Droge Vorsicht braucht.

Zuletzt überprüft: 5. Oktober 2026 · abgeglichen mit API, Anliker, Schrott-Lexikon, Zoller/Nordwig, Schrott/Ammon, Hegde/Harini

Nagkesar
Tafel 108 «Mesua ferrea, Linn.» aus Kanhoba Ranchoddas Kirtikar und Baman Das Basu, Indian Medicinal Plants, Plates Band I, Allahabad 1918. Gemeinfrei, über Wikimedia Commons; für Vedika monochrom in Waldgrün auf Cream dargestellt.

Traditionelle Verwendung

Nagkesar ist nāgakeśara, der «Schlangensafran» — die getrockneten Staubblätter der Blüte von Mesua ferrea, dem Nagas- oder Eisenholzbaum, einem immergrünen, 15 bis 18 m hohen Baum aus der Familie der Clusiengewächse mit rötlicher Rinde, jungem rotem Laub und grossen, weissen, stark duftenden Blüten mit goldgelben Staubblättern. Er wächst im östlichen Himalaya, in Assam, Bengalen und den immergrünen Wäldern der Westghats und ist der Nationalbaum Sri Lankas; sein Holz ist so hart und schwer, dass es im Wasser sinkt. Die Ayurvedic Pharmacopoeia of India beschreibt Nāgakeśara in Vol. II (Monographie 53): die kupfer- bis goldfarbenen Staubblätter aus Staubbeutel, Konnektiv und Faden, aromatisch, bitter-herb; als Inhaltsstoffe nennt sie ätherisches Öl und Oleoresin — die Pharmakologie kennt Xanthone (Mesuaxanthon), Cumarine (Mesuol, Mammeisin) und Bitterstoffe. Nāga ist die Schlange, keśara der Staubfaden (auch der Safran) — daher Nāgakeśara und nāgapuṣpa, «Schlangenblume»; der Hindi-Name unterscheidet den echten gelben Nagkesar (pīlā nāgakeśar) von den «schwarzen» Handelsdrogen anderer Bäume.

Was die Tradition sagt

Nagkesar schmeckt scharf, bitter und herb (kaṭu, tikta, kaṣāya), ist trocken und leicht (rūkṣa, laghu), erhitzend (uṣṇa) und hat scharfen vipāka — ein Profil, das Kapha und Pitta senkt und Vata regulierbar hält. Sein Karma nach der Pharmakopöe: ūrdhvajatrugatarogahara (Erkrankungen oberhalb des Schlüsselbeins — Kopf, Augen, Nase — beseitigend), kaphahara, varṇya (die Hautfarbe verbessernd) und vastivātāmayaghna (Vata-Erkrankungen der Blase beseitigend). Die Anwendungsfelder heissen raktapitta (Blutungsleiden), vātarakta (die Vata-Blut-Krankheit, Gicht), śopharoga (Schwellungen) und vastiroga (Blasenkrankheiten). Dosis 1 bis 3 g Pulver; klassische Zubereitungen sind Nāgakeśarādi Cūrṇa, Candanabalālākṣādi Taila und Kumāryāsava. Was diese Begriffe bedeuten und warum sie sich nicht in moderne Diagnosen übersetzen lassen, erklärt der Artikel Wie das Ayurveda Krankheit denkt.

Die Bhāvaprakāśa Nighaṇṭu (Karpūrādi-varga, Verse 69–71) nennt die Pflanze nāgapuṣpa, nāga, keśara, cāmpeya, nāgakiñjalka und kāñcanāhvaya («die Goldene») und fasst die Blüte zusammen: herb, erhitzend, trocken, leicht, Āma verdauend; sie vertreibe Fieber, Juckreiz, Durst, Schweiss, Erbrechen, Übelkeit, üblen Geruch, Hautleiden, Erysipel, Kapha, Pitta und Gift. Der Kommentar hält fest, dass Nagkesar raktasaṅgrāhaka — blutstillend — und garbhasthāpaka, die Schwangerschaft festigend, sei, und warnt vor den «schwarzen Nagkesar» des Handels aus den Früchten von Zimtbäumen. Nagkesar gehört mit Zimt, Kardamom und Zimtblatt zu den caturjāta, den vier Aromatischen, die den grossen Rezepturen — Cyavanaprāśa, Aśvagandhāriṣṭa, Amṛta Kalaśa — Duft und Verdaulichkeit geben; und seine Blüten sind das klassische Fermentationsmittel: Sie werden dem Sud der āsava und ariṣṭa zugesetzt und bringen mit den Dhataki-Blüten die Gärung in Gang. Caraka führt Nagkesar in keiner seiner fünfzig Gruppen (mahākaṣāya); Suśruta zählt ihn zum Elādi-, Priyaṅgvādi- und Añjanādi-gaṇa (Hegde und Harini, S. 499).

Was Lehrbuch und Lexikon ergänzen

Sabine Anlikers Lehrbuch für die Höhere Fachprüfung (Kapitel 51) folgt der Pharmakopöe in Steckbrief, Karma und Anwendungsfeldern, gibt als Dosis 1 bis 3 g Pulver, als Droge Blüten und Samen — und als Nebenwirkungen: bei angegebener Dosierung keine bekannt, Vorsicht bei Obstipation, bei Amenorrhoe, Oligomenorrhoe und Harnverhalten, bei hohem Vata (die trocken-herbe, stopfende Droge). Das Heilpflanzen-Lexikon von Dr. Schrott führt Mesua ferrea als blutstillende, antihämorrhoidale, menstruationshemmende und verdauungsstärkende Droge, das Samenöl als fungizid und vermizid, mit 118 klassischen Zubereitungen — die Zahl zeigt, wie sehr Nagkesar Rezepturpflanze ist. Schrott und Ammon (Kapitel 10) beschreiben die Staubgefässe als Kapha-reduzierend vor allem an den Atemorganen, appetitanregend, antiemetisch, adstringierend und vermizid, als «leicht erhitzend», mit 1 bis 2 g Dosis und dem Samenöl äusserlich bei Gelenkentzündungen; sie nennen Nagkesar «bereits in den ältesten Texten ein ausgezeichnetes Mittel gegen Blutungen und ein Antidot bei Schlangenbiss». Zoller und Nordwig führen ihn als Hämostatikum «besonders gegen Hämorrhoiden», mit dem alten Rezept der Blütenpaste in hundertfach gewaschenem Ghee, einer Messerspitze Blütenpulver bei Menorrhagie — und der Beobachtung, dass die Blüte einen Pilz beherbergt, der die Vergärung der Ariṣṭas besorgt.

Forschungslage

Nagkesar ist eine Rezepturpflanze mit fast keiner klinischen Forschung.

Was untersucht wurde. Chahar et al. (2013) haben die Literatur zusammengefasst: Blüten, Samen und Rinde enthalten Xanthone, Cumarine und Bitterstoffe, die im Labor antibakteriell (auch gegen Salmonellen), entzündungshemmend, antioxidativ und krampflösend wirken; im Tierversuch wurden gerinnungsfördernde und wundheilende Effekte beschrieben — passend zur traditionellen Rolle als Blutstiller. Kontrollierte Studien am Menschen gibt es nicht; die wenigen indischen Anwendungsbeobachtungen zu blutenden Hämorrhoiden sind nicht verblindet. Es gibt weder eine EMA- noch eine Kommission-E-Monographie; in Europa ist Nagkesar praktisch unbekannt.

Was die Forschung nicht hergibt. Es gibt keine in der Schweiz zugelassene gesundheitsbezogene Aussage für Nagkesar. Dieses Porträt berichtet, was untersucht wurde; es sagt nicht, was ein Produkt tut. Wie man solche Studien liest, erklärt der Artikel Wie man eine Studie liest.

Sicherheit

Nagkesar gilt als sichere Rezepturdroge — die Vorsicht gilt seiner stopfenden Natur.

Verstopfung und Trockenheit. Anliker rät zur Vorsicht bei Obstipation, bei ausbleibender oder schwacher Menstruation, bei Harnverhalt und bei hohem Vata: Die trocken-herbe, adstringierende Droge hält zurück, was fliessen soll. Das Lexikon nennt sie «menstruationshemmend». In den Vedika-Präparaten steht sie in Gewürzmengen neben öligen, nährenden Zutaten — als Einzeldroge bei Vata-Konstitution nicht ohne Rat.

Schwangerschaft. Die Tradition führt Nagkesar als garbhasthāpaka, die Schwangerschaft festigend — moderne Daten fehlen; Präparate in Drogenmengen in der Schwangerschaft nur nach Rücksprache.

Identität. «Nagkesar» wird im Handel auch für die Früchte von Zimtbäumen (Cinnamomum wightii, «schwarzer Nagkesar») und für Blüten anderer Arten verkauft; die Pharmakopöe meint die goldenen Staubblätter von Mesua ferrea.

Allergie. Das Harz gilt als leicht reizend; bei äusserlicher Anwendung des Samenöls sind Hautreaktionen möglich.

Menge. Die Vedika-Präparate enthalten Nagkesar in Rezepturmengen — 76 bis 84 mg je Tagesdosis — weit unter der Drogendosis von 1 bis 3 g.

Ersatzdrogen. Hegde und Harini nennen drei Ersatzdrogen des Handels: den «roten» Nagkesar (raktanāgakeśara, Blütenknospen von Mammea suriga, Syn. Ochrocarpus longifolius), den «schwarzen» (kṛṣṇanāgakeśara, nach ihnen Cinnamomum tamala) und den «Malabar-Nagkesar» (Dillenia pentagyna). Echte Ware sind goldbraune, bis 5 mm lange, unter 1 mm dünne, an beiden Enden verjüngte Staubblätter mit kupferfarbenen Fäden und länglichen Staubbeuteln; sind viele Blütenblattstücke beigemischt, wirkt die Probe cremeweiss. Der Duft ist angenehm, im Mund wird die Droge schleimig (S. 501).

Zubereitung und Formen

Die Pharmakopöe nennt 1 bis 3 g Pulver; die Tradition gibt Nagkesar mit Ghee und Zucker, im Caturjāta der grossen Rezepturen und als Gärhilfe der Ariṣṭas. Im Vedika-Sortiment steht Nagkesar in sieben Präparaten — in den Rasayana-Rezepturen von Maharishi Ayurveda und in einem äusserlichen Balsam.

In Rezepturen von Maharishi Ayurveda: Amrit Kalash MA 4 (78 mg je Tagesdosis, mit Musta, Gotu Kola und Sandelholz in der Rezeptur mit über vierzig Pflanzen), Pitta Balance (84 mg, mit Kardamom, Zimt und Nelke im Ghee), Chyavanprash (76 mg, mit Zimt und Kardamom als Caturjāta), Männer-Rasayana, Eisen-Rasayana (Eisenholzblüten in den Kräuterpulvern) und das Vital Tonikum — Ashwagandha Arishta (Nagakesara mit Dhataki-Blüten: die beiden Gärblüten des klassischen Ariṣṭa).

Äusserlich: Pirant Balm, Bio (Blütenextrakt).

Quellen

  • The Ayurvedic Pharmacopoeia of India, Part I, Vol. II, Monographie 53 Nāgakeśara (Staubblätter), S. 118. Ministry of AYUSH. pcimh.gov.in
  • Bhāvaprakāśa Nighaṇṭu, Karpūrādi-varga, Verse 69–71 (Nāgakeśara). Ausgabe Chunekar/Pandey, Chaukhambha Bharati Academy, Varanasi 2002, Buch-S. 230–231 (Teil 1, PDF-S. 123–124).
  • Anliker, Sabine: Heilpflanzen Ayurveda Medizin. 3. Auflage, Trägerorganisation Ayurveda CH, 2023, ISBN 978-3-033-08908-2, Kapitel 51 Nāgakeśara, S. 116–117 — mit Verweis auf API Vol. II, Schrott/Ammon und Zoller/Nordwig.
  • Ayurvedisches Heilpflanzen-Lexikon (Dr. Ernst Schrott, AyurVeda AG): Mesua ferrea — Dravyaguna, Karma, 118 Zubereitungen.
  • Schrott E, Ammon HPT. Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin. Eine Gegenüberstellung. Springer, Berlin/Heidelberg 2012, Kapitel 10, Mesua ferrea, S. 398–399; Tab. 2.9 (Caturjāta).
  • Zoller A, Nordwig H. Heilpflanzen der Ayurvedischen Medizin. Ein praktisches Handbuch. Haug, Stuttgart 1997 (5. Auflage Narayana 2026) — Mesua ferrea.
  • Chahar MK, Kumar DS, Geetha L, Lokesh T, Manohara KP. Mesua ferrea L.: A review of the medical evidence for its phytochemistry and pharmacological actions. African Journal of Pharmacy and Pharmacology 2013; 7(6):211–219.
  • Swissmedic: Anhang 9 KPAV (Standardwerke) und Anhang 10 (Liste TAS), Stand 1.7.2023. swissmedic.ch
  • Hegde PL, Harini A. A Text Book of Dravyaguna Vijnana, Vol. II (nach dem NCISM-Lehrplan). Chaukhambha Publications, New Delhi 2023, S. 497–502 (Kap. 2.67 Nagakeshara).

Dieses Porträt beschreibt eine Pflanze, nicht ein bestimmtes Produkt. Es ersetzt keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel und behandeln keine Krankheit.

Präparate mit Nagkesar

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