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Pflanze · Caturjāta · Trisugandhi · Gewürz · Verdauung

Zimt

tvak — «Rinde»; dārusitā («Baumzucker»), svādvī, tanutvak · Cinnamomum verum J. Presl (Syn. Cinnamomum zeylanicum Blume) · Lauraceae (Lorbeergewächse)
Ceylon-Zimt, Echter Zimt, Kaneel, Dalchini, Darchini (Hindi/Urdu), Cinnamon (Englisch), Karuvapatta (Malayalam), Lavangapattai (Tamil), Nicht zu verwechseln: Cassia-Zimt (Cinnamomum cassia), Malabarzimt/Tvakpatra (Cinnamomum tamala, Blätter)

Zimt ist tvak, die «Rinde» schlechthin — scharf, bitter und süss, wärmend, Kapha und Vata senkend, eines der «vier Aromatischen» der klassischen Rezepturen. Was die Tradition sagt, was die EMA-Monographie und die Blutzucker-Studien zeigen, und warum Ceylon-Zimt nicht Cassia-Zimt ist.

Zuletzt überprüft: 5. Oktober 2026 · abgeglichen mit API, Anliker, Schrott-Lexikon, Zoller/Nordwig, Schrott/Ammon, Herbal Reality, Hegde/Harini

Zimt
Tafel «Cinnamomum verum» aus Hermann Adolph Köhler, Köhlers Medizinal-Pflanzen, Gera-Untermhaus 1887. Gemeinfrei, über Wikimedia Commons; für Vedika monochrom in Waldgrün auf Cream dargestellt.

Traditionelle Verwendung

Zimt ist im Ayurveda tvak — schlicht «Rinde» —, die innere Rinde der jungen Triebe des Ceylon-Zimtbaums Cinnamomum zeylanicum (heute C. verum), eines immergrünen Lorbeergewächses aus Sri Lanka, das in Südindien an den Westghats angebaut und auf Strauchhöhe zurückgeschnitten wird, damit es die dünnen Triebe liefert, deren Rinde sich zu den bekannten Röhren rollt. Die Ayurvedic Pharmacopoeia of India beschreibt Tvak in Vol. I (Monographie 71) als die von Kork und Rinde befreite Innenrinde, etwa einen halben Millimeter dick, süss, aromatisch, mit einem Gefühl von Wärme; das Sanskrit-Synonym ist dārusitā — «Baumzucker». Ceylon-Zimt ist nicht Cassia-Zimt: Der Cassia-Zimt aus China und Indonesien (Cinnamomum cassia) ist dicker, gröber und cumarinreich; die Pharmakopöe und die Vedika-Rezepturen meinen den Ceylon-Zimt. Die Blätter des verwandten Cinnamomum tamala (tvakpatra, «Malabarzimt», indisches Lorbeerblatt) sind eine eigene Droge und stehen ebenfalls in einigen Rezepturen.

Was die Tradition sagt

Zimt schmeckt scharf, bitter und süss (kaṭu, tikta, madhura), ist trocken, leicht und durchdringend (rūkṣa, laghu, tīkṣṇa), erhitzend (uṣṇa) und hat scharfen vipāka. Sein Karma nach der Pharmakopöe: kaphavātahara (Kapha und Vata ausgleichend), viṣaghna (Gifte beseitigend), kaṇṭhaśuddhikara (den Rachen reinigend) und rucya (den Appetit anregend). Die Anwendungsfelder heissen mukhaśoṣa (Mundtrockenheit), tṛṣṇā (Durst), kaṇṭhamukharoga (Erkrankungen von Hals und Mund), pīnasa (chronischer Schnupfen), kṛmiroga (Wurmerkrankungen), vastiroga (Blasenerkrankungen), arśa (Hämorrhoiden) und hṛdroga (Herzkrankheit). Dosis 1 bis 3 g; klassische Zubereitungen sind Sitopalādi Cūrṇa — das Husten-Pulver mit Kandiszucker, Bambusmanna, Pippali, Kardamom und Zimt — und Caturjāta Cūrṇa, die «vier Aromatischen» aus Zimt, Kardamom, Zimtblatt und Nāgakeśara. Was diese Begriffe bedeuten und warum sie sich nicht in moderne Diagnosen übersetzen lassen, erklärt der Artikel Wie das Ayurveda Krankheit denkt.

Die Bhāvaprakāśa Nighaṇṭu (Karpūrādi-varga 66–67) nennt tvak, svādvī («die Süsse»), tanutvak («Dünnrinde») und dārusitā und fasst zusammen: Zimt ist wohlschmeckend, bitter, Vata und Pitta vertreibend, wohlriechend, śukrala (den Samen mehrend), kräftigend — in einer Lesart varṇya, die Hautfarbe verschönernd — und beseitigt Mundtrockenheit und Durst. Dass die Nighaṇṭu hier Pitta senkend sagt, während Pharmakopöe und Lehrbuch Zimt als erhitzend und Pitta erhöhend führen, ist ein bekannter Widerspruch der Quellen; die Praxis löst ihn über die Menge — als Gewürz kühlt der süsse Geschmack, als Droge wärmt die Schärfe. Die Nighaṇṭus, die Hegde und Harini zitieren, zeigen denselben Zwiespalt: Kaiyadeva und Priya Nighaṇṭu nennen Zimt pittala (Pitta mehrend), der Rāja Nighaṇṭu dagegen śīta (kühl) (Kai. Ni. Oṣadhi-varga 1337–1338; Rā. Ni. Pippalyādi-varga 172; Pri. Ni. Harītakyādi-varga 90). Zimt gehört zu den trisugandhi, den «drei Wohlriechenden» (mit Kardamom und Zimtblatt), und zu den caturjāta, die in unzähligen Rezepturen für Geschmack, Duft und Verdaulichkeit sorgen.

Was Lehrbuch und Lexikon ergänzen

Sabine Anlikers Lehrbuch für die Höhere Fachprüfung (Kapitel 73) folgt der Pharmakopöe in Steckbrief, Karma und Anwendungsfeldern (Vata und Kapha senkend), gibt als Dosis 1 bis 3 g Pulver ein- bis dreimal täglich, als Droge die innere Rinde, und ist bei den Nebenwirkungen ausführlich: allergische Haut- und Schleimhautreaktionen; bei Überdosierung Herzrasen, gesteigerte Darmbewegung, Atmung und Schweiss, gefolgt von Schläfrigkeit — und als Kontraindikationen Schwangerschaft und Magen-Darm-Geschwüre. Das Heilpflanzen-Lexikon von Dr. Schrott führt Cinnamomum zeylanicum als «wärmendes Anregungsmittel», Kreislauftonikum, Expektorans, Stomachikum, āmapācana und Antidiarrhoikum, Ojas vermehrend und sattvisch, mit 167 klassischen Zubereitungen. Schrott und Ammon stellen in ihrem Lehrbuch die Sichten nebeneinander: ayurvedisch die Rinde, die das Herz (sādhaka pitta) beruhigt und stärkt, die Nieren wärmt und Agni verbessert; westlich die Droge Cinnamomi cortex mit 0,5 bis 2,5 % ätherischem Öl (Zimtaldehyd 65 bis 75 %, Eugenol), nach Kommission E 2 bis 4 g täglich bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden — und mit dem nüchternen Satz, die blutzuckersenkende Wirkung beim Menschen sei «umstritten». Zoller und Nordwig, Anlikers zweite Referenz, geben Rasa scharf, bitter, süss, Guna leicht, trocken, spitz, Vata und Kapha senkend, Pitta erhöhend, 1 bis 3 g Pulver oder 2 bis 3 Tropfen Öl — und als Nebenwirkung: In hohen Dosen wirkt das Öl narkotisierend und reizt die Haut.

Forschungslage

Zimt hat eine europäische Arzneimittel-Monographie und eine Sicherheitsdebatte — beides lohnt zu kennen.

EMA-Monographie. Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittelagentur hat 2011 die Monographie Cinnamomum verum, cortex verabschiedet: traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden mit Blähungen und bei leichtem Durchfall, 1,5 bis 4 g Rinde täglich als Aufguss oder Pulver, Erwachsene und Jugendliche ab 12; bei Durchfall nicht länger als drei Tage. Die Monographie nennt als Nebenwirkung allergische Haut- und Schleimhautreaktionen (Zimtaldehyd ist ein bekanntes Kontaktallergen) und rät von der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit ab.

Blutzucker. Die Studien zu Zimt bei Typ-2-Diabetes sind zahlreich und widersprüchlich: Metaanalysen (Allen et al., 2013; Deyno et al., 2019) fanden im Mittel eine Senkung von Nüchternblutzucker und Blutfetten um wenige Prozent, andere fanden nichts; die Cochrane-Übersicht (Leach und Kumar, 2012) kam zum Schluss, die Belege reichten nicht aus, um Zimt zu empfehlen. Fast alle Studien verwendeten Cassia-Zimt, nicht Ceylon-Zimt, meist 1 bis 6 g täglich über wenige Wochen, in kleinen Gruppen. Das gilt bis heute: kein Ersatz für eine Diabetes-Behandlung, allenfalls ein Gewürz mit kleinem Effekt.

Cumarin. Cassia-Zimt enthält bis zu 1 % Cumarin, das in hohen Dosen die Leber belasten kann; das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung hat eine duldbare tägliche Aufnahme von 0,1 mg Cumarin pro kg Körpergewicht abgeleitet, die mit wenigen Gramm Cassia-Zimt täglich erreicht ist. Ceylon-Zimt enthält nur Spuren (unter 0,01 %) — der Grund, weshalb die Pharmakopöe, die EMA-Monographie und die Vedika-Rezepturen den Ceylon-Zimt meinen.

Was die Forschung nicht hergibt. Es gibt keine in der Schweiz zugelassene gesundheitsbezogene Aussage für Zimt; die EMA-Monographie gilt für Arzneimittel, nicht für Nahrungsergänzungsmittel. Dieses Porträt berichtet, was untersucht wurde; es sagt nicht, was ein Produkt tut. Wie man solche Studien liest, erklärt der Artikel Wie man eine Studie liest.

Sicherheit

Zimt ist ein Gewürz, das in Küchenmengen unbedenklich ist — die Vorsicht gilt der Sorte, der Menge und dem Öl.

Cassia oder Ceylon. Wer Zimt täglich in Gramm-Mengen nimmt — als Pulver, in Kapseln, in «Zimt-gegen-Blutzucker»-Präparaten —, sollte Ceylon-Zimt verwenden: Cassia-Zimt kann die Cumarin-Höchstmenge überschreiten und die Leber belasten. Die Vedika-Präparate deklarieren Ceylon-Zimt. Hegde und Harini nennen drei Handelssorten, chinesischen, singhalesischen und indischen Zimt, und als Ersatzdroge Cinnamomum tamala. Gute Ware besteht aus einfachen, doppelten oder ineinandergeschobenen Röhren mit 0,5 bis 1 mm dünner Rinde, aussen hell rehbraun bis gelbbraun mit glänzenden, längs verlaufenden Wellenlinien, innen dunkelbraun und fein gestreift; sie bricht kurz und schmeckt scharf und leicht schleimig.

Schwangerschaft. Anliker führt die Schwangerschaft als Kontraindikation, die EMA rät ab: Zimt gilt in der Tradition als wehenanregend (Anliker: «schwache Wehentätigkeit» unter den Anwendungen). Als Gewürz unbedenklich; Präparate und das Öl meiden.

Magen und Geschwüre. Anlikers zweite Kontraindikation: Magen-Darm-Geschwüre — die scharfe, heisse Rinde reizt. Auch bei Sodbrennen und hohem Pitta sparsam.

Allergie. Zimtaldehyd ist eines der häufigsten Kontaktallergene in Zahnpasten, Kaugummi und Kosmetik; bei bekannter Zimt- oder Perubalsam-Allergie auch die Kräuteröle und Balsame mit Zimtöl (Pirant Balm, Kräuteröl mit Minze) meiden.

Öl und Überdosis. Zimtöl nie unverdünnt und nie innerlich ohne Anleitung; Anliker beschreibt bei Überdosierung Herzrasen und Erregung, gefolgt von Schläfrigkeit.

Blutzucker und Gerinnung. Wer Antidiabetika oder Gerinnungshemmer nimmt, spricht grössere Zimtmengen ab — Zimt kann den Blutzucker senken, Cumarin die Gerinnung beeinflussen.

Zubereitung und Formen

Die Pharmakopöe nennt 1 bis 3 g Pulver, die EMA 1,5 bis 4 g; die Tradition gibt Zimt als Gewürz, im Caturjāta und Sitopalādi Cūrṇa, als Tee mit Ingwer und Nelken, als Paste äusserlich und als Öl. Im Vedika-Sortiment steht Ceylon-Zimt in fünfzehn Präparaten — als Gewürzbestandteil, in den Tees und in zwei äusserlichen Ölen.

In Rezepturen von Maharishi Ayurveda: Pitta Balance (84 mg Ceylon-Zimt je Tagesdosis, mit Kardamom und Nelke im Ghee), Amrit Kalash MA 4 (78 mg), Chyavanprash (76 mg, mit Kardamom und Nāgakeśara — das Caturjāta des klassischen Rezepts), Prana-Rasayana (36 mg), Digest (27 mg), Männer-Rasayana, Frauen-Rasayana und das Vital Tonikum (Ceylon- und Malabarzimt).

In Kapseln: Kapha Formula Plus (100 mg) und ACIDcare von Classic Ayurveda (mit Fenchel und Kardamom — die kühlend-aromatische Seite des Zimts).

Als Tee: Vata Tee, Bio (Süssholz, Kardamom, Ingwer, Zimt) und Pitta Tee, Bio (Kardamom, Süssholz, Ingwer, Rosenblüten, Zimt).

Äusserlich: Pirant Balm und Ayurvedisches Kräuteröl mit Minze (Zimtrindenöl neben Eukalyptus, Nelke und Menthol) sowie Nasya-Öl (Rindenextrakt).

Quellen

  • The Ayurvedic Pharmacopoeia of India, Part I, Vol. I, Monographie 71 Tvak (Rinde), S. 113; Monographie 72 Tvakpatra (Cinnamomum tamala). Ministry of AYUSH. pcimh.gov.in
  • Bhāvaprakāśa Nighaṇṭu, Karpūrādi-varga 66–67 (Dārusitā). Ausgabe Chunekar/Pandey, Chaukhambha Bharati Academy, Varanasi 2002, Nr. 26, Buch-S. 227–228 (Teil 1, PDF-S. 122).
  • Anliker, Sabine: Heilpflanzen Ayurveda Medizin. 3. Auflage, Trägerorganisation Ayurveda CH, 2023, ISBN 978-3-033-08908-2, Kapitel 73 Tvak, S. 168–169 — mit Verweis auf API Vol. I, Zoller/Nordwig und Schrott/Ammon.
  • Ayurvedisches Heilpflanzen-Lexikon (Dr. Ernst Schrott, AyurVeda AG): Cinnamomum zeylanicum — Dravyaguna, Karma, 167 Zubereitungen.
  • Schrott E, Ammon HPT. Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin. Eine Gegenüberstellung. Springer, Berlin/Heidelberg 2012, Kapitel 9, Cinnamomum zeylanicum, S. 196–197.
  • Zoller A, Nordwig H. Heilpflanzen der Ayurvedischen Medizin. Ein praktisches Handbuch. Haug, Stuttgart 1997 (5. Auflage Narayana 2026) — Cinnamomum verum.
  • European Medicines Agency, HMPC: Community herbal monograph on Cinnamomum verum J.S. Presl, cortex. EMA/HMPC/246774/2009, veröffentlicht 5. August 2011; Addendum zum Assessment Report EMA/HMPC/601683/2020 (2021). ema.europa.eu
  • Leach MJ, Kumar S. Cinnamon for diabetes mellitus. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012; CD007170.
  • Allen RW, Schwartzman E, Baker WL, Coleman CI, Phung OJ. Cinnamon use in type 2 diabetes: an updated systematic review and meta-analysis. Annals of Family Medicine 2013; 11(5):452–459.
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Cumarin in Zimt und zimthaltigen Lebensmitteln — Fragen und Antworten; TDI 0,1 mg/kg Körpergewicht (Stellungnahmen seit 2006, aktualisiert 2012). bfr.bund.de
  • Swissmedic: Anhang 9 KPAV (Standardwerke) und Anhang 10 (Liste TAS), Stand 1.7.2023. swissmedic.ch
  • Hegde PL, Harini A. A Text Book of Dravyaguna Vijnana, Vol. II (nach dem NCISM-Lehrplan). Chaukhambha Publications, New Delhi 2023, S. 662–668 (Kap. 2.89 Twak).

Dieses Porträt beschreibt eine Pflanze, nicht ein bestimmtes Produkt. Es ersetzt keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel und behandeln keine Krankheit.

Präparate mit Zimt

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