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Pflanze · Kāsahara · Pittaśāmaka · Leber · Harnwege

Bhumyamalaki

bhūmyāmalakī — «Erd-Amalaki»; tāmalakī, bhūdhātrī («Erd-Amme»), bahupatrā, bahuphalā · Phyllanthus fraternus Webster / Phyllanthus amarus Schumach. & Thonn. / Phyllanthus niruri L. · Phyllanthaceae (früher Euphorbiaceae)
Bhumi Amla, Bhui Amla, Jangli Amli (Hindi), Stonebreaker, Gale of the Wind (Englisch), Quebra-pedra (Portugiesisch), Keezhanelli (Tamil), Keezharnelli (Malayalam), Nela Nelli (Kannada), Bitteres Stachelbeerkraut (Handelsname)

Bhumyamalaki ist die «Erd-Amalaki» — das kleine Ackerkraut mit den Früchten unter dem Blatt, herb-bitter-süss, kühlend, Pitta senkend, das Lebermittel des Ayurveda und der «Steinbrecher» Brasiliens. Was die Tradition sagt, was die berühmte Hepatitis-Studie von 1988 und die Cochrane-Übersichten danach zeigen, und wo Vorsicht gilt.

Zuletzt überprüft: 5. Oktober 2026 · abgeglichen mit API, Anliker, Schrott-Lexikon, Zoller/Nordwig, Schrott/Ammon, Herbal Reality, Hegde/Harini

Bhumyamalaki
Tafel 861 «Phyllanthus niruri, Linn.» aus Kanhoba Ranchoddas Kirtikar und Baman Das Basu, Indian Medicinal Plants, Plates Band V, Allahabad 1918. Gemeinfrei, über Wikimedia Commons; für Vedika monochrom in Waldgrün auf Cream dargestellt.

Traditionelle Verwendung

Bhumyamalaki ist bhūmyāmalakī — die «Erd-Amalaki» — oder tāmalakī: ein kleines, einjähriges Kraut aus der Familie der Phyllanthaceae, 20 bis 60 cm hoch, mit fiederartig gestellten Blättchen, unter denen winzige Früchte hängen wie Miniatur-Amalakis — daher der Name. In Indien wächst es als Ackerunkraut überall, vor allem in der Regenzeit. Die Ayurvedic Pharmacopoeia of India beschreibt Tāmalakī in Vol. I (Monographie 70) als Wurzel, Stängel und Blatt von Phyllanthus fraternus (heute meist Phyllanthus amarus; die nah verwandte P. niruri wird gleich verwendet); als Inhaltsstoff nennt sie das Lignan Phyllanthin, die Pharmakologie dazu Hypophyllanthin, Flavonoide und Gallotannine. Die Bhāvaprakāśa nennt sie auch bhūdhātrī, «Erd-Amme» — die kleine Schwester der grossen Amalaki, der dhātrī.

Was die Tradition sagt

Bhumyamalaki schmeckt herb, bitter und süss (kaṣāya, tikta, madhura), ist leicht und trocken (laghu, rūkṣa), kühlend (śīta) und hat süssen vipāka — die kühlende Bitterdroge, die Pitta und Kapha senkt. Ihr Karma nach der Pharmakopöe: rocana (den Appetit anregend), dāhanāśanī (Brennen vertreibend), pittaśāmaka und mūtrala (harntreibend). Die Anwendungsfelder heissen tṛṣṇā (Durst), kāsa (Husten), amlapitta (saures Pitta, Übersäuerung), pāṇḍu (Blässe), kṣaya (Auszehrung), kṣata (Verletzung), kuṣṭha, prameha und mūtraroga (Harnleiden). Dosis 10 bis 20 ml Frischsaft oder 3 bis 6 g Pulver; klassische Zubereitungen sind Cyavanaprāśa, Citraka Harītakī, Madhuyaṣṭyādi Taila, Pippalyādi Ghṛta und śatāvarī Guḍa. Was diese Begriffe bedeuten und warum sie sich nicht in moderne Diagnosen übersetzen lassen, erklärt der Artikel Wie das Ayurveda Krankheit denkt.

Die Bhāvaprakāśa Nighaṇṭu (Guḍūcyādi-varga, Verse 277–278) nennt die Pflanze bhūmyāmalakikā, śivā, tāmalakī, bahupatrā («die Vielblättrige»), bahuphalā («die Vielfrüchtige»), bahuvīryā, ajaṭā und bhūdhātrī und fasst zusammen: bitter, herb und süss, Vata mehrend, kühlend; sie vertreibe Durst, Husten, Pitta, Blutleiden, Kapha, Juckreiz und Verletzungen. Caraka führt Tāmalakī unter den kāsahara, den hustenstillenden Drogen (Sū. 4), und in den Rezepturen gegen kāmalā und pāṇḍu; in Südindien heisst sie kīḻānelli, «Nelli unter dem Blatt», und ist bis heute das Hausmittel, das man bei Gelbsucht mit Buttermilch gibt — die Anwendung, die die Forschung des 20. Jahrhunderts aufgegriffen hat. Nach Hegde und Harini steht sie bei Caraka ausserdem unter den śvāsahara-Drogen; als Rezepturen nennen sie neben Cyavanaprāśa auch Kaṇṭakārī Ghṛta und Bhūmyāmalakyādi Kaṣāya.

Was Lehrbuch und Lexikon ergänzen

Sabine Anlikers Lehrbuch für die Höhere Fachprüfung (Kapitel 69) folgt der Pharmakopöe in Steckbrief, Karma und Anwendungsfeldern, gibt als Dosis 3 bis 6 g Pulver ein- bis dreimal täglich oder 10 bis 20 g für den Dekokt, als Droge die ganze Pflanze — und keine Nebenwirkungen oder Kontraindikationen. Das Heilpflanzen-Lexikon von Dr. Schrott führt Phyllanthus niruri als Hepatikum, Diuretikum, Antipyretikum und Stomachikum mit dem Vermerk «wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung bei Hepatitis», mit 30 klassischen Zubereitungen. Schrott und Ammon (Kapitel 10) beschreiben die Pflanze als Mittel «vor allem gegen Pitta-Krankheiten wie Leber- und Gallekrankheiten», weisen auf die Verwechslung von P. niruri und P. amarus hin (die Handelsware enthält meist P. niruri mit weniger Bitterstoffen) und referieren die Hepatitis-B-Pilotstudie von 1988 und die Tierversuche zum Leberschutz — «die Pflanze gilt als sicher, wenn unter klinischen Bedingungen verabreicht». Zoller und Nordwig haben keine eigene Monographie und nennen Phyllanthus amarus nur in Rezepturen.

Hans H. Rhyner und Birgit Frohn (Heilpflanzen im Ayurveda, 2006): leicht, trocken und spitz, bitter, herb und süss, scharfer vipāka, kühlend, Kapha und Pitta senkend — keine Gegenanzeigen.

Forschungslage

Bhumyamalaki hat eine Forschungsgeschichte, die lehrt, wie eine spektakuläre erste Studie und die späteren Prüfungen auseinanderlaufen.

Hepatitis B. Thyagarajan et al. berichteten 1988 im Lancet, dass bei 22 von 37 Trägern des Hepatitis-B-Virus nach 30 Tagen Phyllanthus amarus das Oberflächenantigen verschwand — gegenüber 1 von 23 unter Placebo. Die Meldung ging um die Welt; spätere Studien konnten sie nicht wiederholen. Die Cochrane-Übersichten (Xia et al., 2011 und 2013, aktualisiert 2022) fanden für Phyllanthus allein gegen Placebo «keine überzeugende Evidenz» und für Phyllanthus zusätzlich zu antiviralen Medikamenten fünf Studien mit 290 Patienten, alle mit hohem Verzerrungsrisiko, ohne gesicherten Nutzen. Im Labor hemmen Phyllanthus-Extrakte die DNA-Polymerase des Virus und schützen Leberzellen vor Giften — plausibel, aber nicht belegt.

Nierensteine. Unter dem brasilianischen Namen «quebra-pedra» («Steinbrecher») ist P. niruri bei Nierensteinen untersucht worden: Nishiura et al. (2004) fanden weniger Kalziumausscheidung im Urin, Pucci et al. (2018) in einer kleinen Studie eine Verkleinerung der Steine — kleine Studien, kein Beleg.

Was fehlt. Grosse kontrollierte Studien mit standardisierten Extrakten; Klarheit über die Art (amarus, niruri, fraternus). Keine EMA- und keine Kommission-E-Monographie.

Was die Forschung nicht hergibt. Es gibt keine in der Schweiz zugelassene gesundheitsbezogene Aussage für Bhumyamalaki. Dieses Porträt berichtet, was untersucht wurde; es sagt nicht, was ein Produkt tut. Wie man solche Studien liest, erklärt der Artikel Wie man eine Studie liest.

Sicherheit

Bhumyamalaki gilt als milde, sichere Droge — Anliker nennt weder Nebenwirkungen noch Kontraindikationen.

Leber. Wer eine Lebererkrankung hat, behandelt sie mit der Ärztin — Bhumyamalaki ersetzt keine antivirale Therapie; die Cochrane-Übersicht ist eindeutig. In Kombination mit Lebermedikamenten Rücksprache.

Blutzucker und Blutdruck. Tierversuche zeigen blutzucker- und blutdrucksenkende Wirkung; unter entsprechenden Medikamenten beachten.

Vata. Die Bhāvaprakāśa nennt die Pflanze vātakṛt, Vata mehrend — trocken, leicht, kühlend: bei hohem Vata nicht als Einzeldroge über längere Zeit.

Schwangerschaft. Keine klassische Warnung, keine modernen Daten — in Drogenmengen nur nach Rücksprache.

Identität. Phyllanthus amarus, P. niruri und P. fraternus werden gemischt gehandelt; die Vedika-Präparate deklarieren Phyllanthus niruri oder «Bhumyamalaki». Wie uneinheitlich die Zuordnung ist, zeigt das indische Lehrbuch von Hegde und Harini: Es führt als Stammpflanze der bhūmyāmalakī eine vierte Art, Phyllanthus urinaria.

Menge. Die Vedika-Präparate enthalten Bhumyamalaki in Rezepturmengen — 54 bis 192 mg je Tagesdosis — deutlich unter der Drogendosis von 3 bis 6 g.

Zubereitung und Formen

Die Pharmakopöe nennt 10 bis 20 ml Frischsaft oder 3 bis 6 g Pulver, Anliker den Dekokt; die Tradition gibt Bhumyamalaki mit Buttermilch, im Cyavanaprāśa und in den Leber- und Hautrezepturen. Im Vedika-Sortiment steht Bhumyamalaki in fünf Präparaten — in drei Kapselrezepturen von Classic Ayurveda und zwei Rasayanas von Maharishi Ayurveda.

In Kapseln von Classic Ayurveda: LIVERcare (Bhumyamalaki-Pulver mit Guduchi, Cholin, Mariendistel, Amla, Tulsi und Arjuna — die Leberrezeptur), HAIR & NAILcare (mit Ashwagandha, Amla, Fenchel, Süssholz und Guduchi) und Calcio Care (54 bzw. 109 mg wässriger Phyllanthus-Extrakt mit Koralle und Guduchi).

In Rezepturen von Maharishi Ayurveda: Rasayana für Haare und Nägel (96 bzw. 192 mg Phyllanthus niruri mit Eclipta, Guduchi, Süssholz und Berberis) und Eisen-Rasayana («bitteres Stachelbeerkraut» in den Kräuterpulvern mit Eclipta und Tinospora).

Quellen

  • The Ayurvedic Pharmacopoeia of India, Part I, Vol. I, Monographie 70 Tāmalakī (Wurzel, Stängel, Blatt), S. 111. Ministry of AYUSH. pcimh.gov.in
  • Bhāvaprakāśa Nighaṇṭu, Guḍūcyādi-varga, Verse 277–278 (Bhūmyāmalakī, Nr. 169). Ausgabe Chunekar/Pandey, Chaukhambha Bharati Academy, Varanasi 2002, Buch-S. 460 (Teil 2, PDF-S. 97).
  • Caraka Saṃhitā, Sūtrasthāna 4 (kāsahara). Übersetzung Kaviratna/Sharma (1890–1911).
  • Anliker, Sabine: Heilpflanzen Ayurveda Medizin. 3. Auflage, Trägerorganisation Ayurveda CH, 2023, ISBN 978-3-033-08908-2, Kapitel 69 Tāmalakī/Bhūmyāmalakī, S. 157–158 — mit Verweis auf API Vol. I, Zoller/Nordwig und Schrott/Ammon.
  • Ayurvedisches Heilpflanzen-Lexikon (Dr. Ernst Schrott, AyurVeda AG): Phyllanthus niruri — Dravyaguna, Karma, 30 Zubereitungen.
  • Schrott E, Ammon HPT. Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin. Eine Gegenüberstellung. Springer, Berlin/Heidelberg 2012, Kapitel 10, Phyllanthus niruri, S. 417–418.
  • Thyagarajan SP, Subramanian S, Thirunalasundari T, Venkateswaran PS, Blumberg BS. Effect of Phyllanthus amarus on chronic carriers of hepatitis B virus. Lancet 1988; 2(8614):764–766.
  • Xia Y, Luo H, Liu JP, Gluud C. Phyllanthus species for chronic hepatitis B virus infection. Cochrane Database of Systematic Reviews 2011; CD008960; dies.: Phyllanthus species versus antiviral drugs for chronic hepatitis B virus infection. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013; CD009004 (Update 2022). cochrane.org
  • Nishiura JL, Campos AH, Boim MA, Heilberg IP, Schor N. Phyllanthus niruri normalizes elevated urinary calcium levels in calcium stone forming (CSF) patients. Urological Research 2004; 32(5):362–366.
  • Pucci ND, et al. Effect of Phyllanthus niruri on metabolic parameters of patients with kidney stone: a perspective for disease prevention. International Brazilian Journal of Urology 2018; 44(4):758–764.
  • Swissmedic: Anhang 9 KPAV (Standardwerke) und Anhang 10 (Liste TAS), Stand 1.7.2023. swissmedic.ch
  • Rhyner HH, Frohn B: Heilpflanzen im Ayurveda. AT Verlag, Baden und München 2006, ISBN 978-3-03800-279-6, Eintrag Bhumi Amalaki, S. 171–173.
  • Hegde PL, Harini A. A Text Book of Dravyaguna Vijnana, Vol. II (nach dem NCISM-Lehrplan). Chaukhambha Publications, New Delhi 2023, S. 134–138 (Kap. 2.18 Bhumyamalaki).

Dieses Porträt beschreibt eine Pflanze, nicht ein bestimmtes Produkt. Es ersetzt keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel und behandeln keine Krankheit.

Präparate mit Bhumyamalaki

Ein Verzeichnis, keine Empfehlung. Was ein Präparat enthält, steht auf seiner Seite unter «Inhalt».