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Mineral · Rasayana · Yogavāhī · Mineral

Shilajit

śilājatu — «Steinlack», «aus dem Stein geboren»; auch śilājit, aśmaja, śaileya · Asphaltum punjabinum / Mumijo — humifiziertes Exsudat aus Felsgestein des Himalaya (keine Pflanze; kein API-Monograph) · Mineral — herbomineralisches Exsudat (Fulvin- und Huminsäuren, Dibenzo-α-Pyrone, Mineralien)
Mumijo, Mumiyo, Moomiyo (Zentralasien), Asphaltum, Mineral pitch, Black bitumen (Englisch), Shilajit, Silajit (Hindi), Steinteer, «Asphalt» (Lexikon)

Shilajit ist das schwarze Harz aus den Felsen des Himalaya — bei Caraka ein Rasayana mit eigenem Kapitel, in der Tradition das yogavāhī, das andere Mittel trägt. Was die Klassiker sagen, was ein Dutzend kleiner Studien mit standardisiertem Extrakt zeigt, und warum bei Shilajit die Analyse jeder Charge über die Sicherheit entscheidet.

Zuletzt überprüft: 11. September 2026 · abgeglichen mit Anliker, Schrott-Lexikon, Schrott/Ammon, Sena

Zeichnung folgt

Traditionelle Verwendung

Shilajit ist keine Pflanze. Es ist ein schwarzbraunes, harzartiges, im Sommer aus Felsspalten des Himalaya austretendes Exsudat — in Ladakh, Uttarakhand, Himachal und Nepal auf 2000 bis 5000 m Höhe gesammelt, in Zentralasien als Mumijo bekannt. Geologisch ist es das Produkt jahrhundertelanger Humifizierung von Pflanzenmaterial und Mikroorganismen im Gestein, chemisch ein Gemisch aus Fulvin- und Huminsäuren, Dibenzo-α-Pyronen und Mineralien. Der Sanskrit-Name śilājatu — «Steinlack», «aus dem Stein geboren» — beschreibt es; das Heilpflanzen-Lexikon übersetzt śilā + jit als «das, was den Stein besiegt hat». Die Ayurvedic Pharmacopoeia of India hat keine Monographie zu Shilajit; sie beschreibt in Part II, Vol. II nur die klassische Reinigung, Śilājatu Śodhana: Das rohe Harz wird mit heissem Wasser und Triphalā-Abkochung gelöst, der lösliche Teil abgegossen, der Vorgang bis zur klaren Flüssigkeit wiederholt, dann über mässiger Hitze zur Paste eingedickt und an der Sonne getrocknet (nach Rasataraṅgiṇī 22). Wer «gereinigtes Shilajit» sagt, meint dieses Verfahren.

Was die Tradition sagt

Nach dem Lexikon und den Rasaśāstra-Texten schmeckt Shilajit bitter und scharf (tikta, kaṭu), ist schwer (guru), erhitzend (uṣṇa) und hat scharfen vipāka; es senkt vor allem Kapha, auch Vata, und erhöht Pitta bei Übermass. Sein Prabhāva ist yogavāhī: Es trägt die Wirkung der Mittel, mit denen es gegeben wird, und verstärkt sie — deshalb steht es in so vielen Rezepturen als kleiner Bestandteil. Die Klassiker führen Shilajit unter den rasāyana: Caraka widmet ihm im Rasāyana-Kapitel (Cikitsāsthāna 1.3) einen eigenen Abschnitt — vier Sorten nach dem Gestein (Gold, Silber, Kupfer, Eisen), die Reinigung, die Einnahme mit Milch oder mit Abkochungen, und der berühmte Satz, es gebe auf Erden keine heilbare Krankheit, die Shilajit nicht zu bezwingen vermöge. Im Kapitel über die Übergewichtigen (Sūtrasthāna 21) nennt er Shilajit mit dem Saft des Agnimantha; Suśruta gibt es bei prameha (Cikitsāsthāna 13). Was diese Begriffe bedeuten und warum sie sich nicht in moderne Diagnosen übersetzen lassen, erklärt der Artikel Wie das Ayurveda Krankheit denkt.

Die Tradition schätzt Shilajit als Kräftigungsmittel für das Alter, als vṛṣya (Vitalisierungsmittel), bei prameha und aśmarī (Harnsteinen), bei Auszehrung und Schwäche — und immer in kleiner Dosis, 250 bis 500 mg, mit Milch, nach der Reinigung. Ungereinigtes Shilajit gilt in den Rasaśāstra-Texten als unbrauchbar; die Reinigung mit Triphala ist Teil der Droge.

Was Lehrbuch und Lexikon ergänzen

Sabine Anlikers Lehrbuch behandelt Shilajit nicht — es ist kein Heilpflanzen-Kapitel —, und auch Zoller und Nordwig führen es nicht. Das Heilpflanzen-Lexikon von Dr. Schrott hat einen Eintrag: Shilajit als Aphrodisiakum, Immunstimulans, Tonikum und yogavāhī, «stärkt alle Dhatus», Droge das bituminöse Exsudat humifizierter Pflanzen aus dem Felsgestein der Himalaya-Ausläufer, vermutlich aus Styrax officinalis oder Euphorbia royleana hervorgegangen; 35 klassische Zubereitungen. Schrott und Ammon erwähnen Shilajit in ihrem Lehrbuch im Glossar als «Asphaltverbindung des Himalaya, häufig in ayurvedischen Mitteln als Mineralspender und Tonikum» und bei den Rezepturen mit Eisen-Bhasma. Die grössten Shilajit-Rezepturen im Vedika-Sortiment, Männer-Rasayana und AyurFlex von Maharishi Ayurveda, verwenden ausdrücklich «gereinigtes Shilajit».

Forschungslage

Shilajit ist unter den ayurvedischen Substanzen ungewöhnlich, weil es seit 2010 eine Reihe placebokontrollierter Studien am Menschen gibt — fast alle mit demselben standardisierten, gereinigten Extrakt eines indischen Herstellers (PrimaVie®, 250 bis 500 mg täglich) und meist von diesem finanziert. Das ist kein Grund, sie zu übergehen, aber ein Grund, sie einzuordnen.

Was untersucht wurde. Biswas et al. (2010) gaben 60 Männern mit verminderter Spermienzahl 90 Tage lang 200 mg gereinigtes Shilajit und fanden mehr und beweglichere Spermien sowie höheres Testosteron. Pandit et al. (2016) fanden bei 75 gesunden Männern zwischen 45 und 55 nach 90 Tagen mit 500 mg höhere Testosteron- und DHEAS-Werte als unter Placebo. Keller et al. (2019) berichteten bei 63 aktiven Männern nach acht Wochen mit 500 mg eine bessere Ermüdungsresistenz der Muskulatur. Pingali und Nutalapati (2022) fanden bei 60 Frauen nach der Menopause mit Osteopenie nach 48 Wochen mit 250 bis 500 mg einen geringeren Verlust an Knochendichte und niedrigere Marker für oxidativen Stress und Knochenabbau — die längste Studie, die es gibt. Dazu kommen kleine Studien zu Ausdauer und ATP-Bildung (Surapaneni 2012) und zur Haut (Das 2024). Alle diese Studien sind klein, kurz und aus einem Umfeld; unabhängige Wiederholungen fehlen.

Was drin ist. Fulvinsäure (in guten Extrakten 50 bis 80 %), Dibenzo-α-Pyrone und ihre Chromoproteine, Huminsäuren, Mineralien und Spurenelemente — die Forschung führt die Wirkungen auf die Fulvinsäure und die Dibenzo-α-Pyrone zurück, die im Labor antioxidativ wirken und die mitochondriale Energiebildung beeinflussen; Carrasco-Gallardo et al. (2012) haben die Pyrone als Kandidaten gegen die Verklumpung von Tau-Eiweiss diskutiert, ohne Beleg am Menschen.

Sicherheit im Labor. Stohs (2014) fasst die Toxizitätsprüfungen zusammen: Für den gereinigten Extrakt fanden Tierstudien auch bei hohen Dosen keine Schäden. Die andere Seite ist die Herkunft: Rohes Shilajit aus Fels kann Blei, Arsen, Quecksilber tragen, und eine Studie in BMC Chemistry (Kamgar et al., 2025) hat gezeigt, dass Thallium — ein Metall, das die üblichen Prüfungen nicht erfassen — durch die Verarbeitung nicht verschwindet und in fertigen Präparaten höher liegen kann als im Rohharz.

Was die Forschung nicht hergibt. In der EU liegen zwei Gesundheitsaussagen zu Shilajit («Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel», «Harnwege und Prostata») seit 2008 unentschieden auf der Warteliste der EFSA; zugelassen ist keine, in der Schweiz ebenfalls nicht. Dieses Porträt berichtet, was untersucht wurde; es sagt nicht, was ein Produkt tut. Wie man solche Studien liest, erklärt der Artikel Wie man eine Studie liest.

Sicherheit

Bei Shilajit entscheidet die Qualität über die Sicherheit — mehr als bei jeder Pflanze. Sechs Punkte sind zu wissen.

Herkunft und Reinigung. Rohes Shilajit ist Gestein: Es kann Schwermetalle, Mikroben und Fremdstoffe enthalten, und Handelsware wird mit Kohle, Huminsäure oder Erde gestreckt. Die Tradition verlangt die Reinigung (śodhana), die moderne Qualitätssicherung eine Analyse jeder Charge — Blei, Cadmium, Quecksilber, Arsen und, seit der Studie von 2025, Thallium, dazu polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Mikrobiologie. Die Präparate im Vedika-Sortiment sind laborgeprüft; die Einzelpräparate nennen die Herkunft (Nepal, Himalaya). Was eine solche Analyse enthalten muss — fünf Metalle statt vier, Fulvinsäure mit Methodenangabe, Identitätsnachweis per HPTLC —, haben wir in einer eigenen Qualitätsspezifikation für unsere Lieferanten festgehalten.

Dosis. Die Tradition und die Studien liegen bei 250 bis 500 mg täglich; die Einzelpräparate im Sortiment geben 250 bis 500 mg (Harz) bzw. 995 mg (Tabletten). Mehr ist nicht besser: Shilajit ist heiss und schwer, in grösseren Mengen kann es Pitta erhöhen — Hitze, Sodbrennen, Unruhe.

Eisen und Harnsäure. Shilajit enthält Eisen und Mineralien; wer eine Eisenspeicherkrankheit oder erhöhte Harnsäure hat, spricht die Einnahme ab. Die Tradition selbst gibt Shilajit bei aśmarī, Harnsteinen — wer Steine hat, tut es nicht ohne Begleitung.

Hormone. Die Studien zeigen Effekte auf Testosteron und DHEAS. Wer eine hormonabhängige Erkrankung hat oder Hormone nimmt, spricht Shilajit ab; für Kinder und Jugendliche ist es nichts.

Schwangerschaft und Stillzeit. Keine Daten; keine Einnahme.

Recht. In der EU gilt Shilajit als nicht-neuartiges Lebensmittel nur in Nahrungsergänzungsmitteln; in der Schweiz ist der Status nie förmlich entschieden worden (ein Antrag von 2019 wurde 2020 zurückgezogen). Die Vedika-Präparate sind als Nahrungsergänzungsmittel im Handel, und ihre Sternaussagen gelten den Vitaminen und Mineralstoffen, nicht dem Shilajit.

Zubereitung und Formen

Die Tradition gibt gereinigtes Shilajit als Harz (śodhita śilājatu), in Milch gelöst, 250 bis 500 mg, oder in Rezepturen; die Studien verwendeten 200 bis 500 mg standardisierten Extrakt. Im Vedika-Sortiment ist Shilajit mit zwölf Präparaten eine der häufigsten Substanzen — dreimal allein, sonst in Rezepturen.

Allein: Shilajit Harz — Mumijo von Maharishi Ayurveda (30 g gereinigtes Harz mit Dosierlöffel, 250 bis 500 mg täglich — die ursprüngliche Form), Shilajit Tabletten — Mumijo (995 mg je zwei Tabletten, Rohstoff aus Nepal, ohne Zusätze) und Shilajit Mumijo Extrakt forte von Amla Natur (649 mg Extraktpulver mit 325 mg Fulvinsäure, ergänzt um Ashwagandha, Vitamin B6 und D3).

In Rezepturen von Maharishi Ayurveda: Männer-Rasayana (426 mg gereinigtes Shilajit je Tagesdosis, mit Guggulu — die grösste Menge in einer Rezeptur), AyurFlex (289 mg, mit Guggulu und Knoblauch), Eisen-Rasayana (Shilajit 22 % der Rezeptur, mit Amalaki und Datteln), Frauen-Rasayana (114 mg, mit Eisen und Guggulu) und Für die aktive Frau (32/97 mg).

In Classic-Ayurveda-Kapseln: MENcare, SENIORcare, VITALITYcare und PRANAcare (Shilajit-Extrakt als Begleitsubstanz — im Sinn des yogavāhī, das die anderen Bestandteile trägt).

Quellen

  • The Ayurvedic Pharmacopoeia of India, Part II (Formulations), Vol. II, Abschnitt 6.2.7.10 Śilājatu Śodhana (nach Rasataraṅgiṇī 22/69–78). Ministry of AYUSH. pcimh.gov.in — keine Monographie zu Śilājatu in Part I.
  • Caraka Saṃhitā, Cikitsāsthāna 1.3 (Śilājatu-Rasāyana) und Sūtrasthāna 21 (Śilājatu mit Agnimantha-Saft). Übersetzung Kaviratna/Sharma (1890–1911), mit U. C. Dutts Beschreibung der Substanz.
  • Ayurvedisches Heilpflanzen-Lexikon (Dr. Ernst Schrott, AyurVeda AG): Shilajit — Dravyaguna, Karma, Herkunft, 35 Zubereitungen.
  • Schrott E, Ammon HPT. Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin. Springer 2012 — Glossar (śilājita) und Rezepturen mit Lauha Bhasma. Anliker und Zoller/Nordwig führen Shilajit nicht.
  • Vedika: Shilajit (Mumijo / Asphaltum punjabinum) — Quality Specification for Swiss/EU Distribution (interne Spezifikation, 2026): Novel-Food-Status EU/CH, Kontaminantengrenzwerte nach Verordnung (EU) 2023/915, Thallium, PAK, Identitätsprüfung, COA-Anforderungen.
  • Biswas TK, et al. Clinical evaluation of spermatogenic activity of processed Shilajit in oligospermia. Andrologia 2010; 42(1):48–56.
  • Pandit S, et al. Clinical evaluation of purified Shilajit on testosterone levels in healthy volunteers. Andrologia 2016; 48(5):570–575.
  • Keller JL, et al. The effects of Shilajit supplementation on fatigue-induced decreases in muscular strength and serum hydroxyproline levels. Journal of the International Society of Sports Nutrition 2019; 16:3.
  • Pingali U, Nutalapati C. Shilajit extract reduces oxidative stress, inflammation, and bone loss to dose-dependently preserve bone mineral density in postmenopausal women with osteopenia: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Phytomedicine 2022; 105:154334.
  • Stohs SJ. Safety and efficacy of Shilajit (mumie, moomiyo). Phytotherapy Research 2014; 28(4):475–479.
  • Carrasco-Gallardo C, Guzmán L, Maccioni RB. Shilajit: a natural phytocomplex with potential procognitive activity. International Journal of Alzheimer's Disease 2012; 674142.
  • Kamgar E, Zembrzuska J, Zembrzuski W, Kaykhaii M. Quantifying of thallium in Shilajit and its supplements to unveil the potential risk of consumption of this popular traditional medicine. BMC Chemistry 2025; 19(1):20. DOI 10.1186/s13065-025-01384-7.
  • Europäische Kommission: Novel Food Status Catalogue — Mumijo (Shilajit, Asphaltum panjabinum): nicht neuartig in Nahrungsergänzungsmitteln. BLV: Novel-Food-Gesuche (Asphaltum punjabinum, 2019, zurückgezogen 2020). EFSA: Article-13-Claims ID 3973/3974 «on hold».
  • Swissmedic: Anhang 9 KPAV (Standardwerke) und Anhang 10 (Liste TAS), Stand 1.7.2023. swissmedic.ch

Dieses Porträt beschreibt eine Substanz, nicht ein bestimmtes Produkt. Es ersetzt keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel und behandeln keine Krankheit.

Präparate mit Shilajit

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