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Vasa

vāsā, vāsaka — «die Duftende»; bhiṣaṅmātā («Mutter der Ärzte»), siṃhāsyā, āṭarūṣa, vṛṣa · Justicia adhatoda L. (Syn. Adhatoda vasica Nees) · Acanthaceae (Akanthusgewächse)
Adusa, Arusa, Vasaka (Hindi), Malabar Nut (Englisch), Malabarnussbaum, Indisches Lungenkraut, Adathodai (Tamil), Adalodakam (Malayalam)

Vasa ist vāsaka, die «Mutter der Ärzte» — die bitter-herbe, kühlende Atemwegspflanze des Ayurveda, Kapha und Pitta senkend, hustenstillend und blutstillend, deren Alkaloid Vasicin zum Vorbild von Bromhexin und Ambroxol wurde. Was die Tradition sagt, was die Pharmakologie zeigt, und warum Schwangere sie meiden.

Zuletzt überprüft: 5. Oktober 2026 · abgeglichen mit API, Anliker, Schrott-Lexikon, Zoller/Nordwig, Schrott/Ammon, Hegde/Harini

Vasa
Tafel 722 «A – Adhatoda vasica, Nees; B – Andrographis paniculata, Nees» aus Kanhoba Ranchoddas Kirtikar und Baman Das Basu, Indian Medicinal Plants, Plates Band IV, Allahabad 1918; Vasa ist Figur A. Gemeinfrei, über Wikimedia Commons; für Vedika monochrom in Waldgrün auf Cream dargestellt.

Traditionelle Verwendung

Vasa ist vāsā oder vāsaka, der Malabarnussbaum — Justicia adhatoda (früher Adhatoda vasica), ein immergrüner, 1 bis 3 m hoher Strauch aus der Familie der Akanthusgewächse mit grossen lanzettlichen Blättern und weissen, purpurn gezeichneten Lippenblüten, der in den niedrigen Lagen des Himalaya und in ganz Indien an Wegrändern und Feldrainen wächst und wegen seines unangenehmen Geruchs von Tieren gemieden wird. Die Ayurvedic Pharmacopoeia of India beschreibt Vāsā in Vol. I (Monographie 76) als die frischen oder getrockneten reifen Blätter, in Vol. IV (Monographie 65) die Wurzel; als Inhaltsstoffe nennt sie die Chinazolin-Alkaloide Vasicin und Vasicinol — Vasicin ist die Leitsubstanz, aus der die westliche Pharmazie die Hustenlöser Bromhexin und Ambroxol entwickelt hat. Vāsā leitet sich von vas, «duften», ab; die Sanskrit-Namen siṃhāsyā («Löwenmaul») und vājidantā («Pferdezahn») beschreiben die Blüte.

Was die Tradition sagt

Vasa schmeckt bitter und herb (tikta, kaṣāya), ist leicht (laghu; die Wurzel auch ölig), kühlend (śīta) und hat scharfen vipāka — die kühlende Bitterdroge, die Kapha und Pitta senkt. Ihr Karma nach der Pharmakopöe: kaphapittahara, raktasaṃgrāhikā (blutstillend), kāsaghna (hustenstillend) und hṛdya (dem Herzen zuträglich); für die Wurzel zusätzlich raktaśodhaka (blutreinigend), svaravivardhaka (die Stimme stärkend) und vātakṛt (Vata mehrend). Die Anwendungsfelder heissen kāsa (Husten), śvāsa (Atemnot), kṣaya (Auszehrung), raktapitta (Blutungsleiden), prameha, kāmalā (Gelbsucht) und kuṣṭha. Dosis 10 bis 20 ml Frischsaft der Blätter oder 10 bis 20 g für den Dekokt; klassische Zubereitungen sind Vāsakāsava und Vāsāvaleha, dazu Kanakāsava und Pañcatikta Ghṛta. Was diese Begriffe bedeuten und warum sie sich nicht in moderne Diagnosen übersetzen lassen, erklärt der Artikel Wie das Ayurveda Krankheit denkt.

Die Bhāvaprakāśa Nighaṇṭu (Guḍūcyādi-varga, Verse 88–90) nennt Vasa vāsaka, vāsikā, bhiṣaṅmātā («Mutter der Ärzte»), siṃhikā, siṃhāsya, vājidantā, āṭarūṣa, vṛṣa und siṃhaparṇa und fasst zusammen: Vata mehrend, gut für die Stimme, bitter und herb, dem Herzen zuträglich, leicht, kühlend; es vertreibe Kapha, Pitta, Blutleiden, Durst, Atemnot, Husten, Fieber, Erbrechen, prameha, kuṣṭha und kṣaya. «Mutter der Ärzte» und der berühmte Satz der Tradition — «solange die Vāsā-Pflanze existiert, braucht niemand, der an Auszehrung, Blutspucken oder Husten leidet, zu verzweifeln» — machen Vasa zur klassischen Atemwegspflanze des Ayurveda. In seiner Liste der agrya-Drogen, der jeweils vorzüglichsten Mittel, nennt der Aṣṭāṅgahṛdaya (Uttarasthāna 40) vṛṣa als die beste bei raktapitta (vṛṣo 'srapitte; nach Hegde und Harini). Bei Caraka steht Vāsā unter den Mitteln gegen raktapitta und kāsa (Cikitsāsthāna 4 und 18); das Lexikon zählt sie zur pañcakaṣāya, den «fünf Herben». Als weitere klassische Zubereitungen nennen Hegde und Harini Vāsā Ghṛta, Vāsākhaṇḍa und Vāsāguḍūcyādi Kaṣāya.

Was Lehrbuch und Lexikon ergänzen

Sabine Anlikers Lehrbuch für die Höhere Fachprüfung (Kapitel 76) folgt der Pharmakopöe in Steckbrief, Karma und Anwendungsfeldern, gibt als Dosis 3 bis 5 g Blattpulver zwei- bis dreimal täglich, 10 bis 20 g für den Dekokt oder 10 bis 20 ml Frischsaft, als Droge Blätter, Wurzel und Blüten — und als Nebenwirkung: Vorsicht bei Diabetikern unter Behandlung; Kontraindikationen Schwangerschaft und Stillzeit. Das Heilpflanzen-Lexikon von Dr. Schrott führt Justicia adhatoda als «die Pflanze der Wahl gegen Asthma», Expektorans, Antiasthmatikum, blutdrucksenkend, mit 88 klassischen Zubereitungen. Schrott und Ammon stellen in ihrem Lehrbuch die Sichten nebeneinander: ayurvedisch «eine der berühmtesten ayurvedischen Arzneipflanzen» bei Atemwegserkrankungen und Blutungen, mit dem Prabhāva Bronchodilatation und dem Hausmittel 5 bis 10 ml frischer Blattsaft mit Honig oder Ingwersaft; westlich eine Pflanze ohne Rolle in der Phytotherapie, aber mit Vasicin (0,5 bis 2 % Alkaloide) als Vorbild der Mukolytika — und der Warnung: «Wegen abortiver Wirkungen nicht während der Schwangerschaft anwenden.» Zoller und Nordwig geben Guna trocken und leicht, Vasa als «schleimbildendes Expektorans», die Rezepte vāsā svarasa mit Honig, Vāsakāriṣṭa, die «Asthmazigarren» aus getrockneten Blättern und das Vasa-Salz (vāsākṣāra) aus der Blattasche — und keine Nebenwirkungen.

Hans H. Rhyner und Birgit Frohn (Heilpflanzen im Ayurveda, 2006): leicht und trocken, bitter und herb, scharfer vipāka, kühlend, Kapha und Pitta senkend; wegen der menstruationsfördernden, gebärmuttertonisierenden und in hohen Dosen abtreibenden Wirkung nicht in der Schwangerschaft. Vasakasava akut alle zwei Stunden 20 ml, sonst zwei- bis dreimal täglich; Vasaka Lehyam.

Forschungslage

Vasa ist ein seltener Fall: eine ayurvedische Pflanze, deren Wirkstoff zur Vorlage zweier Standardmedikamente wurde — und die selbst kaum klinisch geprüft ist.

Vasicin. Das Alkaloid Vasicin (Peganin) wurde in den 1920er-Jahren aus Adhatoda isoliert; in den 1960er-Jahren entwickelte Boehringer Ingelheim daraus das synthetische Bromhexin und dessen Metaboliten Ambroxol — die Hustenlöser, die heute in jeder Apotheke stehen. Vasicin selbst wirkt im Tierversuch bronchienerweiternd, schleimlösend und krampflösend; sein Oxidationsprodukt Vasicinon ebenfalls. Damit ist die traditionelle Anwendung pharmakologisch plausibel — nicht klinisch belegt.

Am Menschen. Für die Pflanze selbst gibt es nur kleine indische Studien zu Husten und Asthma, meist mit Kombinationspräparaten und ohne Verblindung; eine Übersicht von Claeson et al. (2000) hat Ethnobotanik, Chemie und Pharmakologie zusammengefasst. Vasicin ist zugleich uterotonisch — es regt die Gebärmutter an —, was die klassischen Kontraindikationen erklärt.

Was fehlt. Kontrollierte Studien mit standardisierten Blattpräparaten; Daten zur Langzeitanwendung und zu Interaktionen. Keine EMA- und keine Kommission-E-Monographie.

Was die Forschung nicht hergibt. Es gibt keine in der Schweiz zugelassene gesundheitsbezogene Aussage für Vasa. Dieses Porträt berichtet, was untersucht wurde; es sagt nicht, was ein Produkt tut. Wie man solche Studien liest, erklärt der Artikel Wie man eine Studie liest.

Sicherheit

Vasa ist eine Bitterdroge mit einem wirksamen Alkaloid — die Vorsicht gilt Schwangerschaft und Blutzucker.

Schwangerschaft und Stillzeit. Anliker nennt beide als Kontraindikation, Schrott/Ammon die abortive Wirkung: Vasicin wirkt auf die Gebärmutter. Auch das indische Lehrbuch von Hegde und Harini führt Vasa unter den pharmakologischen Wirkungen ausdrücklich als abtreibend. Keine Vasa-Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit.

Blutzucker. Anliker: Vorsicht bei Diabetikern unter Behandlung — Vasa gilt als blutzuckersenkend; wer Diabetesmedikamente nimmt, sollte Vasa-Präparate mit der Ärztin besprechen.

Blutdruck. Das Lexikon und Schrott/Ammon führen Vasa als blutdrucksenkend; unter Blutdruckmedikamenten beachten.

Vata. Die Bhāvaprakāśa nennt Vasa vātakṛt, Vata mehrend — trocken, leicht, bitter: bei Trockenheit, Verstopfung und hohem Vata nicht als Einzeldroge über längere Zeit; die Tradition gibt sie mit Honig oder Ghee.

Menge. In den Vedika-Präparaten steht Vasa als Extrakt in Rezepturmengen — in PRANAcare als Hauptzutat (17 %), sonst als Nebenzutat und in zwei äusserlichen Ölen; die Kontraindikationen gelten unabhängig von der Menge.

Qualität. Echte Ware sind nach Hegde und Harini lanzettliche, ganzrandige, zugespitzte Blätter von 12 bis 20 cm Länge und 2,5 bis 5 cm Breite an langem Stiel, oben kahl und dunkelgrün. Getrocknet sind sie sehr brüchig und liegen als kleine braungrüne Stücke vor, meist mit Zweigen und Blüten- oder Fruchtständen vermischt; sie riechen eigentümlich unangenehm und schmecken sehr bitter (grāhya lakṣaṇa). Als regionale Ersatzdroge in Kerala nennen sie Adhatoda beddomei.

Zubereitung und Formen

Die Pharmakopöe nennt 10 bis 20 ml Frischsaft oder 10 bis 20 g für den Dekokt, Anliker 3 bis 5 g Blattpulver; die Tradition gibt Vasa als Saft mit Honig, als Vāsāvaleha (Latwerge) und Vāsakāsava (fermentiert). Im Vedika-Sortiment steht Vasa in vier Präparaten — in zwei Atemwegs-Rezepturen und in zwei äusserlichen Ölen.

In Kapseln von Classic Ayurveda: PRANAcare (Vasa-Extrakt 17 % als erste Zutat, mit Tulsi-Extrakt, Süssholz, Trikatu und Shilajit — die Rezeptur für die Atemwege).

In Rezepturen von Maharishi Ayurveda: AyurDefence (Adhatoda vasica neben Guduchi, Süssholz, Solanum xanthocarpum und Trikatu).

Äusserlich: Nasya-Öl (Pflanzenextrakt im Sesamöl) und Pirant Balm, Bio (Blattextrakt).

Quellen

  • The Ayurvedic Pharmacopoeia of India, Part I, Vol. I, Monographie 76 Vāsā (Blatt), S. 122; Vol. IV, Monographie 65 Vāsā (Wurzel), S. 138. Ministry of AYUSH. pcimh.gov.in
  • Bhāvaprakāśa Nighaṇṭu, Guḍūcyādi-varga, Verse 88–90 (Āṭarūṣa/Vāsaka). Ausgabe Chunekar/Pandey, Chaukhambha Bharati Academy, Varanasi 2002, Buch-S. 320 (Teil 2, PDF-S. 27).
  • Caraka Saṃhitā, Cikitsāsthāna 4 (raktapitta) und 18 (kāsa). Übersetzung Kaviratna/Sharma (1890–1911).
  • Anliker, Sabine: Heilpflanzen Ayurveda Medizin. 3. Auflage, Trägerorganisation Ayurveda CH, 2023, ISBN 978-3-033-08908-2, Kapitel 76 Vāsā, S. 174–175 — mit Verweis auf API Vol. I, Zoller/Nordwig und Schrott/Ammon.
  • Ayurvedisches Heilpflanzen-Lexikon (Dr. Ernst Schrott, AyurVeda AG): Justicia adhatoda — Dravyaguna, Karma, 88 Zubereitungen.
  • Schrott E, Ammon HPT. Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin. Eine Gegenüberstellung. Springer, Berlin/Heidelberg 2012, Kapitel 9, Justicia adhatoda, S. 248–249.
  • Zoller A, Nordwig H. Heilpflanzen der Ayurvedischen Medizin. Ein praktisches Handbuch. Haug, Stuttgart 1997 (5. Auflage Narayana 2026) — Justicia adhatoda.
  • Claeson UP, Malmfors T, Wikman G, Bruhn JG. Adhatoda vasica: a critical review of ethnopharmacological and toxicological data. Journal of Ethnopharmacology 2000; 72(1–2):1–20.
  • Swissmedic: Anhang 9 KPAV (Standardwerke) und Anhang 10 (Liste TAS), Stand 1.7.2023. swissmedic.ch
  • Rhyner HH, Frohn B: Heilpflanzen im Ayurveda. AT Verlag, Baden und München 2006, ISBN 978-3-03800-279-6, Eintrag Vasaka, S. 205–206.
  • Hegde PL, Harini A. A Text Book of Dravyaguna Vijnana, Vol. II (nach dem NCISM-Lehrplan). Chaukhambha Publications, New Delhi 2023, S. 688–694 (Kap. 2.93 Vasa).

Dieses Porträt beschreibt eine Pflanze, nicht ein bestimmtes Produkt. Es ersetzt keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel und behandeln keine Krankheit.

Präparate mit Vasa

Ein Verzeichnis, keine Empfehlung. Was ein Präparat enthält, steht auf seiner Seite unter «Inhalt».