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Pflanze · Vallī pañcamūla · Jīvanīya · Rasāyana · Vājīkaraṇa

Vidari

vidārī, vidārīkanda — «die Vidari-Knolle»; bhūmikūṣmāṇḍa («Erdkürbis»), svādukandā, ikṣugandhā, payasvinī · Pueraria tuberosa (Willd.) DC. · Fabaceae (Hülsenfrüchtler)
Vidarikand, Vidari Kanda (Hindi), Indian Kudzu (Englisch), Bhuikumra, Bhumikusmanda (Bengali), Nelagumbala (Kannada), Nilapoosani (Tamil), Mudakku (Malayalam), Nicht zu verwechseln: Kṣīravidārī (Ipomoea mauritiana / I. digitata)

Vidari ist die «Erdkürbis»-Knolle, das süsse, kühlende Tonikum des Ayurveda — schwer und ölig, Vata und Pitta senkend, in der Tradition das Mittel für Milch, Kraft und Fortpflanzungsgewebe, Zutat der grossen Rasayana-Rezepturen. Was die Tradition sagt, was eine kleine Studie und die Isoflavone bedeuten, und wo Vorsicht gilt.

Zuletzt überprüft: 10. September 2026 · abgeglichen mit API, Anliker, Schrott-Lexikon, Zoller/Nordwig, Schrott/Ammon

Vidari
Tafel 321 «Pueraria tuberosa, DC.» aus Kanhoba Ranchoddas Kirtikar und Baman Das Basu, Indian Medicinal Plants, Plates Band II, Allahabad 1918. Gemeinfrei, über Wikimedia Commons; für Vedika monochrom in Waldgrün auf Cream dargestellt.

Traditionelle Verwendung

Vidari ist vidārī oder vidārīkanda, die «Vidari-Knolle» — die geschnittene und getrocknete Wurzelknolle von Pueraria tuberosa, einer mehrjährigen, verholzenden Kletterpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler, die fast in ganz Indien bis 1200 m Höhe wächst und unter der Erde Knollen von der Grösse eines Kürbisses bildet — daher der Sanskrit-Name bhūmikūṣmāṇḍa, «Erdkürbis». Die Ayurvedic Pharmacopoeia of India beschreibt Vidārī in Vol. II (Monographie 76): längs geschnittene Stücke, aussen rötlichbraun, innen cremefarben, stärkehaltig und porös, süsslich im Geschmack; als Inhaltsstoffe nennt sie Gluconsäure und Äpfelsäure, die Pharmakologie kennt heute vor allem die Isoflavone Puerarin, Daidzein und Genistein sowie das Tuberosin. Die Pflanze ist die indische Schwester der ostasiatischen Pueraria montana (Kudzu) und heisst auf Englisch «Indian Kudzu».

Was die Tradition sagt

Vidari schmeckt süss (madhura), ist schwer und ölig (guru, snigdha), kühlend (śīta) und hat süssen vipāka — das Profil eines nährenden Tonikums, das Vata und Pitta senkt und Kapha mehrt. Die Pharmakopöe zählt elf Karma auf: śukrala (das Fortpflanzungsgewebe mehrend), balya (kräftigend), mūtrala (harntreibend), pittahara und vātahara, rasāyana (Verjüngungsmittel), svarya (gut für die Stimme), varṇya (die Hautfarbe verbessernd), stanyada (die Muttermilch mehrend), jīvanīya (belebend) und bṛṃhaṇīya (aufbauend). Die Anwendungsfelder heissen dāha (Brennen), raktapitta (Blutungsleiden), aṅgamarda (Gliederschmerzen), daurbalya (Schwäche) und śoṣa (Auszehrung). Dosis 3 bis 6 g Pulver; klassische Zubereitungen sind Vidāryādi Kvātha Cūrṇa, Vidāryādi Ghṛta, Marma Guṭikā, Manmathābhra Rasa und Pūgakhaṇḍa. Was diese Begriffe bedeuten und warum sie sich nicht in moderne Diagnosen übersetzen lassen, erklärt der Artikel Wie das Ayurveda Krankheit denkt.

Die Bhāvaprakāśa Nighaṇṭu (Guḍūcyādi-varga, Verse 180–182) nennt Vidārī svādukandā («Süssknolle»), ikṣugandhā («nach Zuckerrohr duftend»), kṣīravallī, kṣīraśuklā und payasvinī («die Milchige») und fasst zusammen: süss, ölig, aufbauend, Milch und Śukra mehrend, kühlend, gut für die Stimme, harntreibend, belebend, Kraft und Farbe gebend, schwer — sie vertreibt Pitta, Blutleiden, Vata und Brennen und ist Rasāyana. Der Kommentar unterscheidet zwei Arten, vidārī und kṣīravidārī («Milch-Vidari», heute Ipomoea mauritiana), die Caraka beide zu den süssen Drogen zählt — bis heute werden beide im Handel als Vidari gehandelt. Bei Caraka steht Vidārī unter den madhura-skandha, den süssen Drogen (Vi. 8), und in der vallī pañcamūla, den fünf Wurzeln der Kletterpflanzen, neben Guduchi, Shariva, Meshashringi und Haridra (Schrott/Ammon, Tab. 2.9); Suśruta zählt sie zur vidārigandhādi gaṇa, die nach ihr benannt ist. Sie gehört zu den jīvanīya, den belebenden Pflanzen, und ist eine Standardzutat der grossen Rasayana- und Vajikarana-Rezepturen: Aśvagandhāriṣṭa, Sārasvatāriṣṭa, Śatāvaryādi Ghṛta, Cyavanaprāśa.

Was Lehrbuch und Lexikon ergänzen

Sabine Anlikers Lehrbuch für die Höhere Fachprüfung (Kapitel 78) folgt der Pharmakopöe in Steckbrief und Karma (zusätzlich hṛdya, dem Herzen zuträglich, und vājīkaraṇa, die Fortpflanzungsfunktion stärkend), nennt als Anwendungsfelder śūla, dāha, kāsa, mūtrakṛcchra, raktadoṣa, raktapitta, viṣamajvara, visarpa und śukrakṣaya (mit Verweis auf Caraka Sū. 19 und 23), als Dosis 3 bis 6 g Pulver ein- bis dreimal täglich, als Droge Wurzel und Knolle — und keine Nebenwirkungen oder Kontraindikationen. Sie hebt hervor, dass Vidari direkt das rasa-dhātu und die stanyavāha-srotas, die Milchkanäle, stärkt. Das Heilpflanzen-Lexikon von Dr. Schrott führt Pueraria tuberosa als Tonikum, Diaphoretikum und Diuretikum und Bestandteil der vallī pañcamūla, Vata und Pitta senkend, mit 44 klassischen Zubereitungen; unter den Wirkungen nennt es nach der indischen Literatur auch «kontrazeptiv, antifertil» — ein Hinweis, der aus Tierversuchen stammt (siehe Sicherheit). Schrott und Ammon führen Vidari in ihren Tabellen unter den jīvanīya und in der vallī pañcamūla; Zoller und Nordwig haben keine eigene Monographie, nennen die Wurzel aber in den Rezepturen (etwa im Daśamūla-Taila).

Forschungslage

Vidari ist eine Pflanze mit reicher Tradition und dünner klinischer Forschung.

Übersicht. Khatri et al. (Frontiers in Pharmacology, 2020) haben Tradition, Inhaltsstoffe und Pharmakologie von Pueraria tuberosa zusammengefasst: Die Knolle ist reich an Isoflavonen (Puerarin, Daidzein, Genistein) und Stärke; im Tierversuch senkte sie Blutzucker (über eine Hemmung der DPP-IV), schützte die Niere vor Cisplatin- und Glycerol-Schäden und wirkte antioxidativ. Menschenstudien gibt es kaum.

Eine kleine Studie. Verma et al. (2012) gaben 30 Menschen mit neu entdecktem Bluthochdruck Stadium 1 zwölf Wochen lang 3 g Knollenpulver oder Placebo; in der Vidari-Gruppe sanken Blutdruck und Fibrinogen, die Fibrinolyse stieg. Einfach verblindet, 15 pro Gruppe, nie wiederholt — ein Hinweis, kein Beleg. Eine ältere Fallbeschreibung derselben Gruppe (2009) und Beobachtungen zu Blutfetten stammen aus demselben Labor.

Was fehlt. Für die klassischen Anwendungen — als Milchbildungsmittel, als Tonikum bei Schwäche, als Vajikarana — gibt es keine kontrollierten Studien am Menschen. Das Puerarin, das man am Kudzu (Pueraria montana) intensiv erforscht, ist auch in Vidari enthalten, aber die ostasiatischen Studien lassen sich nicht auf die indische Knolle übertragen.

Was die Forschung nicht hergibt. Es gibt keine in der Schweiz zugelassene gesundheitsbezogene Aussage für Vidari. Dieses Porträt berichtet, was untersucht wurde; es sagt nicht, was ein Produkt tut. Wie man solche Studien liest, erklärt der Artikel Wie man eine Studie liest.

Sicherheit

Vidari gilt in der Tradition als mildes, nährendes Tonikum — Anliker nennt weder Nebenwirkungen noch Kontraindikationen. Einige Dinge sind trotzdem zu wissen.

Isoflavone und Fruchtbarkeit. Vidari enthält Isoflavone (Puerarin, Daidzein, Genistein), die im Körper schwach östrogenartig wirken. Bei männlichen Ratten senkte ein Wurzelextrakt über 60 Tage Hodengewicht und Spermienbeweglichkeit (Gupta et al., 2004); das Lexikon führt Vidari deshalb als «antifertil». Eine andere Rattenstudie fand mit einem wässrigen Extrakt das Gegenteil — mehr Testosteron und Sexualverhalten (Chauhan et al., 2014) —, und die Tradition sieht Vidari als śukrala und vājīkaraṇa. Die Widersprüche zeigen vor allem, wie wenig gesichert ist: Tierversuch mit konzentriertem Extrakt hier, Pulver in Rasayana-Dosen dort. Wer bei hormonabhängigen Erkrankungen oder mit Kinderwunsch grössere Mengen nehmen will, sollte dies mit einer Fachperson besprechen.

Schwangerschaft und Stillzeit. Die Tradition gibt Vidari in der Stillzeit als stanyada; für die Schwangerschaft gibt es weder eine klassische Warnung noch moderne Daten — im Zweifel zurückhaltend.

Leber. In einer indischen Beobachtung stiegen unter höheren Dosen vorübergehend die Leberwerte (Tripathi et al., 2012, zitiert bei Khatri 2020); bei längerer Einnahme in Drogenmengen ist eine Kontrolle sinnvoll.

Kapha und Blutzucker. Süss, schwer, ölig: Vidari mehrt Kapha — bei Übergewicht, Verschleimung und träger Verdauung nicht als Einzeldroge; wer den Blutzucker medikamentös senkt, beachtet die tierexperimentellen Hinweise auf blutzuckersenkende Wirkung.

Identität. Unter dem Namen Vidari werden zwei Pflanzen gehandelt — Pueraria tuberosa (die Droge der Pharmakopöe) und Ipomoea mauritiana (kṣīravidārī). Die Vedika-Präparate deklarieren Pueraria tuberosa; Amrit Kalash MA 4 enthält beide (je 5–6 mg).

Menge. Die Vedika-Präparate enthalten Vidari als Pulver oder Extrakt in Milligramm-Mengen innerhalb von Rezepturen mit vielen Zutaten — weit unter der Drogendosis von 3 bis 6 g.

Zubereitung und Formen

Die Pharmakopöe nennt 3 bis 6 g Knollenpulver; die Tradition gibt Vidari mit Milch, in Ghee (Vidāryādi Ghṛta), als Bestandteil der grossen Rasayana- und Vajikarana-Rezepturen und als Suppe oder Süssspeise aus der frischen Knolle. Im Vedika-Sortiment steht Vidari in sechs Präparaten — in den Männer- und Frauen-Rezepturen, in den Vata-Rezepturen und in einem äusserlichen Balsam.

In Kapseln von Classic Ayurveda: MENcare (Vidari-Kanda-Pulver als dritte Zutat nach Ashwagandha und Amla, mit Gokshura, Guduchi, Shilajit und Zink), WOMENcare (Vidari-Kanda-Pulver als dritte Zutat nach Muschelschalenpulver und Shatavari, mit Süssholz, Brahmi, Ashwagandha und Fenchel) und VATAcare (Vidarikand-Extrakt in der Vata-Rezeptur mit Guduchi, Shatavari, Tulsi, Brahmi und Guggulu).

In Rezepturen von Maharishi Ayurveda: Männer-Rasayana (mit Guggul, Ashwagandha, Shilajit und Gewürzen) und Amrit Kalash MA 4 (6 mg Pueraria tuberosa neben 5 mg Ipomoea digitata in der Rezeptur mit über vierzig Pflanzen).

Äusserlich: Pirant Balm, Bio (Wurzelextrakt in der Ölmischung).

Quellen

  • The Ayurvedic Pharmacopoeia of India, Part I, Vol. II, Monographie 76 Vidārī (Wurzelknolle), S. 183–184. Ministry of AYUSH. pcimh.gov.in
  • Bhāvaprakāśa Nighaṇṭu, Guḍūcyādi-varga, Verse 180–182 (Vidārīkanda, Nr. 91–92 mit Kṣīravidārī). Ausgabe Chunekar/Pandey, Chaukhambha Bharati Academy, Varanasi 2002, Buch-S. 386–387 (Teil 2, PDF-S. 60–61).
  • Caraka Saṃhitā, Sūtrasthāna 4 (jīvanīya, madhura-skandha), Vimānasthāna 8. Übersetzung Kaviratna/Sharma (1890–1911).
  • Anliker, Sabine: Heilpflanzen Ayurveda Medizin. 3. Auflage, Trägerorganisation Ayurveda CH, 2023, ISBN 978-3-033-08908-2, Kapitel 78 Vidārīkanda/Vidārī, S. 178–179 — mit Verweis auf API, Zoller/Nordwig und Schrott/Ammon.
  • Ayurvedisches Heilpflanzen-Lexikon (Dr. Ernst Schrott, AyurVeda AG): Pueraria tuberosa — Dravyaguna, Karma, 44 Zubereitungen.
  • Schrott E, Ammon HPT. Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin. Eine Gegenüberstellung. Springer, Berlin/Heidelberg 2012, Tab. 2.9 (vallī pañcamūla, jīvanīya) und Kap. 11 (Sārasvatāriṣṭa).
  • Zoller A, Nordwig H. Heilpflanzen der Ayurvedischen Medizin. Ein praktisches Handbuch. Haug, Stuttgart 1997 (5. Auflage Narayana 2026) — Pueraria tuberosa in den Rezepturen (Daśamūla-Taila).
  • Khatri DK, et al. Pueraria tuberosa: A Review on Traditional Uses, Pharmacology, and Phytochemistry. Frontiers in Pharmacology 2020; 11:582506. frontiersin.org
  • Verma SK, Jain V, Singh DP. Effect of Pueraria tuberosa DC. (Indian Kudzu) on Blood Pressure, Fibrinolysis and Oxidative Stress in Patients with Stage 1 Hypertension. Pakistan Journal of Biological Sciences 2012; 15(15):742–747. scialert.net
  • Gupta RS, et al. Antifertility Effects of Pueraria tuberosa Root Extract in Male Rats. Pharmaceutical Biology 2004; 42(8). DOI 10.1080/13880200490902491.
  • Chauhan NS, et al. Pueraria tuberosa DC extract improves androgenesis and sexual behavior via FSH LH cascade. The Scientific World Journal 2013; 780659. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24489512
  • Maji AK, Pandit S, Banerji P, Banerjee D. Pueraria tuberosa: a review on its phytochemical and therapeutic potential. Natural Product Research 2014; 28(23). DOI 10.1080/14786419.2014.928291.
  • Swissmedic: Anhang 9 KPAV (Standardwerke) und Anhang 10 (Liste TAS), Stand 1.7.2023. swissmedic.ch

Dieses Porträt beschreibt eine Pflanze, nicht ein bestimmtes Produkt. Es ersetzt keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel und behandeln keine Krankheit.

Präparate mit Vidari

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